Ein passender Betrieb findet sich selten zufällig. Nutzen Sie deshalb mehrere Wege parallel: Branchenbörsen, Handwerkskammern, Innungen, persönliche Kontakte, Steuerberater und direkte Gespräche mit älteren Betriebsinhabern. Gerade im Dachdeckerhandwerk lohnt sich die regionale Suche, weil Stammkunden, Mitarbeiter und Baustellen meist eng an das Einzugsgebiet gebunden sind.
Dachdeckerbetrieb übernehmen
– die besten Plattformen & Tipps
Wer einen Dachdeckerbetrieb übernehmen möchte, startet nicht bei null. Kundenstamm, Mitarbeiter, Fahrzeuge, Werkzeuge, Lieferanten und ein bekannter Name sind meist bereits vorhanden. Gleichzeitig braucht eine Betriebsübernahme eine gründliche Vorbereitung, denn Kaufpreis, Meisterpflicht, Verträge, Finanzierung und Übergabe entscheiden darüber, ob der Einstieg langfristig gelingt.

Inhalt
- Dachdeckerbetrieb zum Kaufen finden – diese Plattformen gibt es
- Dachdeckerbetrieb übernehmen: Möglichkeiten
- Chancen und Risiken bei der Übernahme eines Dachdeckerbetriebs
- Übernahme oder Neugründung – Was lohnt sich mehr?
- Dachdeckerbetrieb übernehmen: Wichtige Infos und Vorbereitungen
- Vorbereitung auf die Betriebsübernahme als Dachdecker
- Dachdeckerbetrieb übernehmen: Die Umsetzung
- FAQs zu Dachdeckerbetrieb übernehmen
Dachdeckerbetrieb übernehmen: Möglichkeiten
Eine Übernahme kann unterschiedlich aufgebaut sein. Welche Variante passt, hängt von Ihrer Ausgangslage, Ihrem Kapital, der Rechtsform des Betriebs und dem Wunsch des bisherigen Inhabers ab. Wichtig ist, dass die gewählte Form nicht nur steuerlich, sondern auch menschlich und organisatorisch passt.
Als Mitarbeiter Betrieb übernehmen
Die Übernahme durch einen langjährigen Mitarbeiter ist oft der Idealfall. Sie kennen Kunden, Baustellen, Abläufe, Mitarbeiter und Lieferanten bereits. Der bisherige Inhaber kann den Übergang in Ruhe vorbereiten und Kunden persönlich an Sie übergeben. Häufig lässt sich auch eine schrittweise Finanzierung vereinbaren, etwa über Ratenzahlungen oder eine längere Übergangsphase. Für Banken ist diese Variante oft gut nachvollziehbar, weil Ihre fachliche Eignung und Ihre Bindung zum Betrieb sichtbar sind.
Kauf
Beim klassischen Kauf übernehmen Sie den Betrieb gegen einen vereinbarten Kaufpreis. Dabei kann es sich um einen Asset Deal handeln, bei dem einzelne Vermögenswerte wie Fahrzeuge, Maschinen, Lagerbestände, Werkzeuge oder Kundenlisten übertragen werden. Sie werden schnell alleiniger Inhaber und können den Betrieb nach Ihren Vorstellungen führen. Gleichzeitig tragen Sie ab dem Übergabetag das volle Risiko. Prüfen Sie deshalb genau, welche Gegenstände, Verträge, Forderungen und Verbindlichkeiten tatsächlich übergehen.
Anteilskauf
Beim Anteilskauf erwerben Sie Geschäftsanteile, zum Beispiel an einer GmbH. Der Betrieb bleibt als Gesellschaft bestehen, nur die Eigentümerstruktur ändert sich. Verträge, Genehmigungen und Kundenbeziehungen laufen oft unverändert weiter. Diese Form eignet sich, wenn Sie erst einen Teil übernehmen und später weitere Anteile kaufen möchten. Der Nachteil: Sie übernehmen auch Risiken innerhalb der Gesellschaft. Eine sorgfältige Prüfung von Bilanzen, Verträgen, Steuern und möglichen Rechtsstreitigkeiten ist Pflicht.
Rente/Pacht
Bei der Pacht nutzen Sie den Betrieb gegen regelmäßige Zahlungen, ohne sofort Eigentümer aller Vermögenswerte zu werden. Das reduziert den Kapitalbedarf und gibt Ihnen Zeit, den Betrieb kennenzulernen. Eine Übergabe gegen Rente kann für den bisherigen Inhaber attraktiv sein, weil sie ein regelmäßiges Einkommen im Ruhestand sichert. Für Sie ist wichtig, dass Laufzeit, Kaufoption, Investitionen und Rückgaberegeln eindeutig im Vertrag stehen.
Schenkung oder Erbe
In Familienbetrieben erfolgt die Übernahme häufig durch Schenkung oder Erbe. Ein typisches Beispiel: Der Sohn oder die Tochter übernimmt den Dachdeckerbetrieb des Vaters und führt den Namen weiter. Diese Form wirkt auf den ersten Blick einfach, braucht aber klare Verträge. Geschwister, Pflichtteilsansprüche, Immobilien, Betriebsvermögen und Steuerfragen müssen sauber geregelt werden. Steuerliche Begünstigungen für Betriebsvermögen können relevant sein, sollten aber immer mit Steuerberater und Notar geprüft werden.
Chancen und Risiken bei der Übernahme eines Dachdeckerbetriebs
Eine Betriebsübernahme bietet große Vorteile, ist aber kein Selbstläufer. Sie übernehmen nicht nur den Kundenstamm, sondern auch gewachsene Strukturen, mögliche Altlasten und Erwartungen der Belegschaft. Wer Chancen und Risiken früh erkennt, kann besser verhandeln und den Start gezielt vorbereiten.
Die Risiken bei der Übernahme
- Versteckte Verbindlichkeiten: Offene Rechnungen, Steuerrückstände, Gewährleistungsfälle oder Bürgschaften können nach der Übernahme teuer werden.
- Veraltete Betriebsmittel: Fahrzeuge, Gerüste, Werkzeuge, Lager und Software müssen oft modernisiert werden. Diese Investitionen gehören in die Finanzplanung.
- Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber: Wenn Kunden vor allem wegen der Person des Altinhabers bleiben, drohen Auftragsverluste nach dem Wechsel.
- Mitarbeiterfluktuation: Langjährige Fachkräfte können unsicher reagieren. Gespräche, klare Führung und Wertschätzung sind deshalb entscheidend.
- Unklare Vertragslage: Mietverträge, Wartungsverträge, Lieferantenvereinbarungen und Arbeitsverträge müssen vollständig geprüft werden.
- Schwacher Ruf: Schlechte Bewertungen, Qualitätsprobleme oder ungelöste Reklamationen belasten auch den neuen Inhaber.
Die Chancen bei der Übernahme
- Vorhandener Kundenstamm: Sie starten mit bestehenden Kontakten, laufenden Aufträgen und regionaler Bekanntheit.
- Eingespieltes Team: Erfahrene Dachdecker, Vorarbeiter und Bürokräfte kennen Abläufe, Kunden und Baustellen.
- Schneller Umsatzstart: Anders als bei einer Neugründung können Sie häufig direkt mit vorhandenen Aufträgen weiterarbeiten.
- Bestehende Ausstattung: Fahrzeuge, Werkzeuge, Gerüste, Lager und Bürostruktur sind bereits vorhanden.
- Bessere Planbarkeit: Auswertungen der letzten Jahre zeigen Umsatz, Gewinn, Kostenstruktur und saisonale Schwankungen.
- Entwicklungspotenzial: Neue Leistungen wie Photovoltaik, energetische Sanierung oder digitale Prozesse können zusätzlichen Umsatz bringen.

Tipp: Mit einer Handwerkersoftware den Betrieb strukturiert übernehmen
Die Übernahme eines Dachdeckerbetriebs ist ein guter Zeitpunkt, um bestehende Abläufe zu prüfen und digital aufzustellen. Mit einer Handwerkersoftware wie STREIT steuern Sie Angebote, Aufträge, Termine, Zeiten, Material und Rechnungen zentral in einem System.
So behalten Sie laufende Projekte besser im Blick, entlasten Ihr Büro und sorgen dafür, dass Baustelle und Betrieb reibungslos zusammenarbeiten.
Übernahme oder Neugründung – Was lohnt sich mehr?
| Kriterium | Übernahme | Neugründung |
|---|---|---|
| Kundenstamm | Bereits vorhanden | Muss neu aufgebaut werden |
| Kapitalbedarf | Höher durch Kaufpreis | Geringer Start möglich, aber viele Anfangsinvestitionen |
| Mitarbeiter | Team kann übernommen werden | Personal muss gesucht und eingearbeitet werden |
| Risiko | Altlasten und bestehende Verträge möglich | Keine Altlasten, aber volles Marktrisiko |
| Geschwindigkeit | Sofortiger Betriebsstart möglich | Aufbauphase meist länger |
| Gestaltungsfreiheit | Durch bestehende Strukturen begrenzt | Sehr hoch bei Marke, Standort und Leistungen |
| Finanzierung | Banken können echte Zahlen prüfen | Finanzierung basiert stärker auf Planzahlen |
Dachdeckerbetrieb übernehmen: Wichtige Infos und Vorbereitungen
Bevor Sie sich für einen Betrieb entscheiden, sollten Sie rechtliche, fachliche und wirtschaftliche Fragen klären. Dazu gehören Meisterpflicht, Eintragung in die Handwerksrolle, Kaufpreis, Finanzierung, Fördermittel und persönliche Eignung. Erst wenn diese Punkte belastbar sind, lohnt sich die konkrete Vertragsverhandlung.
Voraussetzung zur Übernahme eines Dachdeckerbetriebs
Das Dachdeckerhandwerk gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung. Wer einen Dachdeckerbetrieb selbstständig führen möchte, benötigt daher grundsätzlich eine passende Qualifikation und die Eintragung in die Handwerksrolle. Wichtige Voraussetzungen sind:
- Meistertitel im Dachdeckerhandwerk oder eine gleichwertige Qualifikation.
- Handwerkskammer Anmeldung und Eintragung in die Handwerksrolle.
- Gewerbeanmeldung bei Stadt oder Gemeinde.
- Betriebliche Zuverlässigkeit und geordnete wirtschaftliche Verhältnisse.
- Geeignete Versicherungen, vor allem Betriebshaftpflicht und Schutz für Fahrzeuge, Gebäude, Geräte und Mitarbeiter.
Die rechtliche Grundlage ergibt sich vor allem aus § 1 HwO, § 7 HwO und der Anlage A zur Handwerksordnung.
Dachdeckerbetrieb übernehmen ohne Meister – geht das?
Eine Übernahme bzw. Selbstständigkeit ohne eigenen Meister ist möglich, aber nicht ohne Ersatzlösung. Eine Möglichkeit ist die Betriebsleiterregelung: Sie führen den Betrieb als Inhaber und beschäftigen einen qualifizierten Dachdeckermeister als technischen Betriebsleiter. Dieser muss tatsächlich verantwortlich im Betrieb mitarbeiten. Außerdem kommt in bestimmten Fällen die Altgesellenregelung nach § 7b HwO in Betracht. Dafür sind eine bestandene Gesellenprüfung, mehrjährige Berufserfahrung und eine leitende Tätigkeit erforderlich. Eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO kann ebenfalls möglich sein. Klären Sie diese Fragen früh mit der Handwerkskammer.
Lohnt sich die Übernahme?
Ob sich die Übernahme lohnt, entscheidet sich nicht allein am Kaufpreis. Entscheidend ist, ob der Betrieb den Kaufpreis, Ihren Unternehmerlohn, Kreditzinsen, Investitionen und Rücklagen dauerhaft erwirtschaftet. Prüfen Sie mindestens die letzten drei Jahresabschlüsse, die aktuelle Auftragslage, offene Forderungen, Gewährleistungsrisiken und den Zustand der Betriebsmittel.
Ein sinnvoller erster Ansatz ist die Kombination aus Substanzwert und Ertragswert. Der Substanzwert zeigt den Wert von Maschinen, Fahrzeugen, Werkzeugen, Lager und Ausstattung. Der Ertragswert zeigt, welchen Gewinn der Betrieb künftig realistisch erwirtschaften kann. Für Handwerksbetriebe wird häufig die AWH-Bewertung genutzt, da sie Besonderheiten kleiner und mittlerer Betriebe berücksichtigt.
Vorbereitung auf die Betriebsübernahme als Dachdecker
Nach der ersten Auswahl beginnt die eigentliche Prüfung. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um Standort, Team, Ruf, Technik und Entwicklungschancen. Nehmen Sie sich Zeit und dokumentieren Sie alle Erkenntnisse.
Checkliste: Ist der gewählte Dachdeckerbetrieb der richtige?
Prüfen Sie Einzugsgebiet, Wettbewerb, Verkehrsanbindung, Lagerflächen und Nähe zu Kunden. Ein guter Standort erleichtert Baustellenlogistik und Mitarbeitergewinnung.
Lesen Sie Bewertungen, sprechen Sie mit Lieferanten und prüfen Sie, ob der Betrieb regional empfohlen wird. Ein guter Ruf ist ein echter Vermögenswert.
Analysieren Sie, ob Leistungen wie Photovoltaik, Flachdachsanierung, Wartungsverträge oder energetische Sanierung ausgebaut werden können.
Prüfen Sie, ob digitale Auftragsbearbeitung, mobile Zeiterfassung, moderne Kalkulation und strukturierte Dokumentation bereits genutzt werden.
Lassen Sie Mietverträge, Leasingverträge, Lieferantenvereinbarungen, Wartungsverträge und Arbeitsverträge prüfen.
Bewerten Sie Fahrzeuge, Gerüste, Maschinen, Werkzeuge, Lager, IT und Software. Berücksichtigen Sie notwendige Ersatzanschaffungen.
Prüfen Sie bei Ihren Mitarbeitern Qualifikation, Altersstruktur, Motivation und Schlüsselpersonen. Nach § 613a BGB gehen Arbeitsverhältnisse bei einem Betriebsübergang grundsätzlich auf den Erwerber über.
Achten Sie darauf, ob der Umsatz breit verteilt ist oder stark von wenigen Kunden abhängt.
Zahlen sind wichtig, aber auch Vertrauen, Kommunikation und persönliches Gefühl müssen stimmen.
Was kostet es, einen Dachdeckerbetrieb zu übernehmen? Kaufpreis verhandeln
Der Kaufpreis hängt von Gewinn, Ausstattung, Kundenstamm, Standort, Auftragslage und Zukunftspotenzial ab. Kleinere Betriebe können deutlich günstiger sein als etablierte Dachdeckerbetriebe mit mehreren Kolonnen, großem Fuhrpark und stabilem Gewinn. Gehen Sie nie unvorbereitet in die Verhandlung. Lassen Sie sich Zahlen zeigen, prüfen Sie Investitionsbedarf und legen Sie eine eigene Preisobergrenze fest.
Dokumentieren Sie jede Annahme schriftlich. Das hilft bei Bankgesprächen, bei Förderanträgen und in der späteren Verhandlung, weil Sie Ihre Entscheidung mit Zahlen und nachvollziehbaren Kriterien begründen können.
Wie wird der Kaufpreis berechnet?
Beim Substanzwert werden vorhandene Werte wie Fahrzeuge, Gerüste, Maschinen, Werkzeuge, Lager und Büroausstattung betrachtet. Beim Ertragswert steht die Frage im Mittelpunkt, welche Gewinne der Betrieb künftig erzielen kann. In der Praxis werden beide Ansätze kombiniert. Zusätzlich sollten Sie einen Unternehmerlohn, notwendige Investitionen und Risiken abziehen, bevor Sie eine Kaufpreisvorstellung akzeptieren.

Typische Verhandlungsstrategien
- Datenbasiert verhandeln: Arbeiten Sie mit Jahresabschlüssen, Auftragslisten, Inventarwerten und nachvollziehbaren Berechnungen.
- Risiken offen ansprechen: Veraltete Fahrzeuge, schwache digitale Prozesse oder kurze Mietverträge rechtfertigen Preisabschläge.
- Zahlungsmodell nutzen: Ratenzahlung, Earn-out oder Verkäuferdarlehen können den Einstieg erleichtern.
- Übergangsphase vereinbaren: Wenn der Verkäufer Kunden und Mitarbeiter aktiv übergibt, sinkt das Risiko deutlich.
- Alternativen behalten: Wer nur einen Betrieb im Blick hat, verhandelt oft zu weich.
Inhalte des Kaufvertrags
- Kaufgegenstand: Genaue Beschreibung, ob Betrieb, Vermögenswerte oder Anteile verkauft werden.
- Inventarliste: Vollständige Aufstellung von Fahrzeugen, Maschinen, Werkzeugen, Lager und IT.
- Kaufpreis: Betrag, Fälligkeit, Raten, Sicherheiten und mögliche Nachzahlungen.
- Verbindlichkeiten: Klare Regelung, welche Schulden, Forderungen und Verpflichtungen übernommen werden.
- Mitarbeiter: Regelung zum Übergang der Arbeitsverhältnisse und offener Ansprüche.
- Gewährleistung: Garantien des Verkäufers zu Bilanzen, Eigentum, Verträgen und Rechtsstreitigkeiten.
- Wettbewerbsverbot: Vereinbarung, dass der Verkäufer nicht direkt einen Konkurrenzbetrieb eröffnet.
- Übergabestichtag: Rechtlicher und wirtschaftlicher Zeitpunkt des Übergangs.
Gewährleistung beim Unternehmenskauf
Beim Unternehmenskauf sind pauschale Aussagen gefährlich. Vereinbaren Sie konkrete Garantien, etwa zur Richtigkeit der Unterlagen, zum Eigentum an Betriebsmitteln, zu offenen Gerichtsverfahren und zu bekannten Gewährleistungsfällen. Wichtig ist auch, was passiert, wenn eine Garantie falsch ist. Mögliche Folgen sind Kaufpreisminderung, Schadenersatz oder Rücktrittsrechte.
Denken Sie außerdem an saisonale Besonderheiten. Dachdeckerbetriebe haben oft starke Monate im Frühjahr, Sommer und Herbst. Winter, Schlechtwetterphasen und Materialengpässe können die Liquidität belasten. Prüfen Sie daher nicht nur den Jahresgewinn, sondern auch monatliche Auswertungen, offene Angebote, Auftragsvorlauf und Zahlungsziele der Kunden.
Finanzierung und Kapitalbedarf

Der Kapitalbedarf besteht nicht nur aus dem Kaufpreis. Rechnen Sie alle Posten zusammen und planen Sie einen Puffer ein:
- Kaufpreis: Vereinbarter Betrag für Betrieb, Vermögenswerte oder Anteile.
- Neuanschaffungen: Investitionen in Waren, Maschinen, Fahrzeuge, Gerüste, Büroausstattung und Software.
- Außenstände und Lebensunterhalt: Reserve für Zahlungsausfälle, Anlaufphase und privaten Unternehmerlohn.
- Eigenkapital: Bankguthaben, Bargeld oder andere liquide Mittel, die Sie einbringen können.
Ein Businessplan mit Finanzplan ist für Bankgespräche unverzichtbar. Er zeigt, wie Sie Kaufpreis, Investitionen, Tilgung und laufende Kosten finanzieren.
Praktisch empfiehlt sich ein klarer Zeitplan: Zuerst prüfen Sie den Betrieb vertraulich, danach folgt eine Absichtserklärung, anschließend die detaillierte Prüfung der Unterlagen. Erst danach sollten Kaufvertrag, Finanzierung und Übergabetermin verbindlich festgelegt werden. So vermeiden Sie, dass Sie emotional zu früh zusagen oder wichtige Unterlagen erst nach der Unterschrift sehen.
Dachdeckerbetrieb übernehmen: Die Umsetzung
Nach der Vertragsunterzeichnung beginnt die praktische Übergabe. Jetzt müssen Eigentum, Zugänge, Verträge, Kundeninformationen, Mitarbeiterkommunikation und Behördenmeldungen sauber abgewickelt werden.
Abwicklung Kauf
Erstellen Sie eine Übergabeliste mit Schlüsseln, Fahrzeugpapieren, Passwörtern, Softwarezugängen, Kundenlisten, offenen Angeboten, laufenden Aufträgen, Gewährleistungsfällen und Lieferantenkontakten. Vereinbaren Sie einen klaren Stichtag. Der bisherige Inhaber sollte in den ersten Wochen Kunden und wichtige Geschäftspartner persönlich vorstellen.
Gewerbeummeldung / -anmeldung
Für die Gewerbeanmeldung wird in der Regel das Formular GewA 1 genutzt. Darin machen Sie Angaben zur Person, zur Betriebsstätte, zur Tätigkeit, zur Rechtsform und zum Beginn der Tätigkeit. Zusätzlich benötigen Sie meist Personalausweis, Nachweis der Qualifikation, Eintragung in die Handwerksrolle und bei Gesellschaften Handelsregisterauszug oder Gesellschaftsvertrag. Die Handwerkskammer sollte früh eingebunden werden, damit die Eintragung rechtzeitig vorliegt.
Erste Schritte nach der Übernahme

- Mitarbeiter informieren: Stellen Sie sich vor, erklären Sie Ihre Ziele und führen Sie Einzelgespräche.
- Kunden kontaktieren: Informieren Sie Stammkunden persönlich über die Nachfolge.
- Lieferanten abstimmen: Klären Sie Konditionen, Ansprechpartner, Zahlungsziele und Bestellprozesse.
- Versicherungen prüfen: Aktualisieren Sie Betriebshaftpflicht, Kfz, Gebäude, Inhalt und Rechtsschutz.
- Digitalisierung starten: Prüfen Sie Ihre Buchhaltungssoftware, Zeiterfassung, Kalkulation, Dokumentation und Archivierung.
- Außenauftritt anpassen: Aktualisieren Sie Website, Google-Profil, Briefpapier, E-Mail-Signatur, Logo und prüfen Sie, welche Maßnahmen im Online-Marketing und Marketing direkt nach der Übernahme sinnvoll sind.
- Weitere Aufträge finden: Nutzen Sie Online-Portale, Werbemöglichkeiten und Ausschreibungen um neue Aufträge zu generieren.
Tipp: Förderung für Digitalisierung nutzen
Viele Digitalisierungsprojekte im Handwerk müssen nicht vollständig aus eigener Tasche bezahlt werden. Je nach Bundesland und Programm können kleine und mittlere Betriebe finanzielle Unterstützung für digitale Lösungen, Software oder Prozessoptimierungen erhalten.
Informieren Sie sich frühzeitig über passende Förderprogramme und prüfen Sie, welche Zuschüsse oder Förderkredite für Ihren Betrieb infrage kommen.
FAQs zu Dachdeckerbetrieb übernehmen
Brauche ich einen Meistertitel, um einen Dachdeckerbetrieb zu übernehmen?
Grundsätzlich ja, weil das Dachdeckerhandwerk zulassungspflichtig ist. Alternativ können eine gleichwertige Qualifikation, ein angestellter Meister als Betriebsleiter, die Altgesellenregelung nach § 7b HwO oder eine Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO möglich sein.
Wie finde ich einen Dachdeckerbetrieb zur Übernahme?
Geeignete Betriebe finden Sie über den Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks, DUB, dach-boxx, die Betriebsbörsen der Handwerkskammern, Steuerberater, Innungen und direkte Kontakte zu Inhabern in Ihrer Region.
Welche Risiken gibt es bei der Übernahme eines Dachdeckerbetriebs?
Zu den wichtigsten Risiken gehören versteckte Schulden, veraltete Betriebsmittel, offene Gewährleistungsfälle, Mitarbeiterverluste, ein schwacher Ruf, zu hohe Kaufpreise und eine zu starke Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber.
Was passiert mit den Mitarbeitern bei einer Betriebsübernahme?
Bei einem Betriebsübergang gehen Arbeitsverhältnisse grundsätzlich auf den Erwerber über. Grundlage ist § 613a BGB. Mitarbeiter dürfen nicht allein wegen der Übernahme gekündigt werden. Informieren Sie die Belegschaft frühzeitig und bauen Sie Vertrauen auf.
Fazit
Einen Dachdeckerbetrieb zu übernehmen ist eine attraktive Möglichkeit, in die Selbstständigkeit zu starten oder einen bestehenden Betrieb zu erweitern. Sie profitieren von Kundenstamm, Team, Ausstattung und regionaler Bekanntheit. Gleichzeitig brauchen Sie eine sorgfältige Prüfung, eine realistische Bewertung und eine solide Finanzierung.
Besonders wichtig sind Meisterpflicht, Handwerksrolle, Kaufvertrag, Mitarbeiterübergang, Fördermittel und Investitionsbedarf. Holen Sie sich frühzeitig Unterstützung durch Handwerkskammer, Steuerberater, Rechtsanwalt und Bank. Wenn Zahlen, Team, Standort und Bauchgefühl stimmen, kann die Übernahme eines Dachdeckerbetriebs der bessere Weg sein als eine komplette Neugründung.














