Factoring im Handwerk: Liquidität sichern und Zahlungsausfälle vermeiden

Sie haben den Auftrag erledigt, Material und Löhne bezahlt, doch die Kundenzahlung lässt auf sich warten. Gerade im Handwerk belasten lange Zahlungsziele und hohe Vorfinanzierungen die Liquidität. Factoring hilft: Sie verkaufen offene Forderungen und erhalten den Großteil des Rechnungsbetrags sofort.

Was ist Handwerker Factoring?

Factoring bezeichnet den laufenden Verkauf Ihrer Forderungen an einen spezialisierten Finanzdienstleister, den sogenannten Factor. Sobald Sie eine Rechnung an Ihren Kunden stellen, kaufen Sie diese Forderung dem Factor nicht ab, sondern verkaufen sie an ihn. Im Gegenzug erhalten Sie sofort einen Großteil des Betrags ausgezahlt, in der Regel zwischen 80 und 90 Prozent. Den einbehaltenen Anteil (diesen nennt man Sicherheitseinbehalt) erhalten Sie, sobald Ihr Kunde gezahlt hat, abzüglich der Gebühren. Er deckt mögliche Abzüge wie Skonto, Teilzahlungen oder Reklamationen ab.

Rechtlich handelt es sich um eine Abtretung der Forderung nach § 398 BGB. Der Factor tritt damit an die Stelle des bisherigen Gläubigers. Für Sie als Handwerksbetrieb bedeutet das einen klaren Vorteil. Aus einer offenen Rechnung mit ungewissem Zahlungseingang wird sofort verfügbares Geld. Factoring ist in Deutschland eine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Seriöse Anbieter unterliegen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Factoring ist allerdings kein Inkasso. Beim Inkasso treiben Dienstleister bereits überfällige und oft strittige Forderungen ein. Beim Factoring verkaufen Sie laufend Ihre normalen, noch gar nicht fälligen Rechnungen, um sofort liquide zu sein. Es geht also um Finanzierung, nicht um das Eintreiben von Außenständen.

Wie funktioniert Factoring im Handwerk?

Nach Abschluss eines Rahmenvertrags läuft jede einzelne Rechnung nach demselben Muster.

  1. Rechnung schreiben: Sie erbringen Ihre Leistung wie gewohnt und stellen Ihrem Kunden die Rechnung. Am Prozess beim Rechnungen schreiben im Handwerk ändert sich für Sie nichts.
  2. Forderung an den Factor verkaufen: Sie reichen die Rechnung beim Factor ein, meist digital über eine Schnittstelle zu Ihrer Handwerkersoftware.
  3. Auszahlung erhalten: Der Factor überweist Ihnen den vereinbarten Anteil der Rechnungssumme, oftmals sogar schon innerhalb von ein bis zwei Werktagen.
  4. Kunde zahlt an den Factor: Ihr Kunde begleicht die Rechnung zum vereinbarten Zahlungsziel direkt beim Factor. Das Mahnwesen übernimmt auf Wunsch ebenfalls der Factor.

Heutzutage läuft der Forderungsverkauf weitgehend digital ab. Viele Anbieter binden sich über eine Schnittstelle direkt an Ihre Buchhaltungs- oder Handwerkersoftware an. Sie übermitteln neue Rechnungen damit fast automatisch und behalten den Überblick über offene Posten und bereits erfolgte Auszahlungen.

Ein Beispiel: Ein Elektrobetrieb stellt nach einer abgeschlossenen Installation eine Handwerksrechnung über 15.000 Euro mit 30 Tagen Zahlungsziel. Statt einen Monat auf das Geld zu warten, reicht der Betrieb die Rechnung beim Factor ein und erhält bereits am nächsten Werktag rund 13.500 Euro. Mit diesem Geld kauft er Material für den nächsten Auftrag und zahlt die Löhne seiner Monteure pünktlich. Die Restzahlung folgt, sobald der Kunde die Rechnung begleicht.

Factoring-Anbieter im Überblick

Der Markt für Factoring ist groß, und nicht jeder Anbieter passt zu einem Handwerksbetrieb. Achten Sie bei der Auswahl auf diese Kriterien:

  • Branchen- und VOB-Kompetenz: Kann der Anbieter Teil- und Abschlagsrechnungen nach Baufortschritt ankaufen? Das ist vor allem bei Bauleistungen wichtig.
  • Mindestumsatz: Passt die Umsatzschwelle des Anbieters zur Größe Ihres Betriebs?
  • Ausfallschutz: Übernimmt der Factor das Risiko, wenn Ihr Kunde nicht zahlt (echtes Factoring also)?
  • Verfahren: Bevorzugen Sie ein offenes Verfahren oder soll Ihr Kunde nichts vom Forderungsverkauf erfahren (dann wäre es ein stilles Factoring)?
  • Konditionen und Geschwindigkeit: Wie hoch ist die Auszahlungsquote? Wie schnell erfolgt die Überweisung? Wie lang sind die Vertragslaufzeiten?
  • Integration: Gibt es eine Schnittstelle zu Ihrer Buchhaltungs- oder Handwerkersoftware?

Ein guter Anhaltspunkt für die Seriosität ist die Mitgliedschaft im Branchenverband. Das Mitgliederverzeichnis des Deutschen Factoring-Verbands listet die geprüften Gesellschaften auf.

Direkt zum Mitgliederverzeichnis


Die folgende Übersicht stellt sechs bekannte Anbieter gegenüber. Die Konditionen sind allerdings nur Anhaltspunkte, weil Ihr konkretes Angebot von Umsatz, Kundenstruktur und Bonität abhängt.

AnbieterProfil und Handwerks-EignungGeeignet ab Jahresumsatz
S-Factoring GmbHSparkassen-Finanzgruppe, eigenes Handwerks-Factoring mit 100 Prozent Ausfallschutzca. 150.000 €
A.B.S. Global Factoring AGBankenunabhängig, auf den Mittelstand spezialisiert, Auszahlung bis 100 ProzentMittelstand
CompeonVermittlungsplattform (kein eigener Factor), vergleicht über 300 FinanzierungspartnerMittelstand
Deutsche Factoring BankBremen, Sparkassen-Finanzgruppe, Forderungsfinanzierung und -management für den MittelstandMittelstand
Wolf FactoringFamilienunternehmen aus Stuttgart mit ausgewiesener Handwerks- und VOB-Kompetenz300.000 – 10 Mio. €
CB Bank GmbHSpezialbank aus Straubing, Schwerpunkt stilles Factoring100.000 – 15 Mio. €

Tipp: Handwerkersoftware mit passenden Schnittstellen nutzen

Prüfen Sie bei der Auswahl eines Factoring-Anbieters, ob sich dieser gut in Ihre bestehende Buchhaltungs- oder Handwerkersoftware einbinden lässt. Mit einer Lösung wie STREIT behalten Sie Rechnungen, offene Posten und Kundendaten zentral im Blick und schaffen eine saubere Grundlage für die Übergabe relevanter Daten. Eine gute Integration reduziert doppelte Arbeit und erleichtert die Zusammenarbeit mit dem Factor.

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So läuft eine Factoring-Anfrage ab

Bevor der erste Euro fließt, prüft der Factor, ob die Voraussetzungen für Factoring erfüllt sind. Typisch sind diese Anforderungen:

  • Gewerbliche Kunden, also Geschäft mit anderen Unternehmen statt reinem Privatkundengeschäft
  • Ein regelmäßiger und planbarer Forderungsbestand
  • Rechnungen ohne Vorkasse und ohne lange Abhängigkeit von einer Gewährleistung
  • Eine ordentliche, nachvollziehbare Buchhaltung
  • Forderungen ohne wirksames Abtretungsverbot (bei beidseitigen Handelsgeschäften bleibt eine Abtretung nach 354a HGB allerdings selbst dann gültig, wenn der Vertrag sie ausschließt)

Sind diese Punkte erfüllt, läuft die Anfrage meist wie folgt:

  1. Anfrage stellen: Sie kontaktieren den Anbieter und schildern Ihren Umsatz, Ihre Kundenstruktur und die durchschnittliche Rechnungshöhe.
  2. Prüfung: Der Factor prüft Ihren Betrieb und vor allem die Bonität Ihrer Kunden. Für jeden Kunden richtet er ein Ankauflimit ein. Bis zu dieser Grenze kauft er Forderungen mit Ausfallschutz an, darüber hinaus nur eingeschränkt.
  3. Angebot: Sie erhalten ein individuelles Angebot mit Auszahlungsquote, Gebühren und Vertragslaufzeit.
  4. Vertragsabschluss: Nach Ihrer Zusage schließen Sie einen Rahmenvertrag, der die laufende Zusammenarbeit regelt.
  5. Erste Auszahlung: Sie reichen die ersten Rechnungen ein und erhalten kurz darauf die erste Auszahlung.

Die Einrichtung dauert je nach Anbieter wenige Tage bis einige Wochen. Wie schnell es geht, hängt vor allem von der Vollständigkeit Ihrer Unterlagen und der Zahl Ihrer Debitoren ab. Danach wickeln Sie jede Rechnung im selben, eingespielten Ablauf ab.

Factoring-Modelle im Vergleich

Je nach Vertrag unterscheiden sich beim Factoring die Risikoverteilung, Kosten und Diskretion gegenüber Ihren Kunden. Vier Modelle sollten Sie kennen.

Echtes Factoring

Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Ausfallrisiko. Zahlt Ihr Kunde nicht, trägt der Factor den Verlust, also nicht Ihr Betrieb. Diese Absicherung heißt Delkredere. Das echte Factoring ist in Deutschland der Standardfall.

Vorteile:

  • Voller Schutz vor Zahlungsausfall
  • Hohe Planungssicherheit
  • Forderungen verschwinden aus der Bilanz
  • die Eigenkapitalquote steigt
  • Ihr Rating verbessert sich
     

Nachteile:

  • Etwas höhere Gebühr, weil der Factor das Risiko trägt
     

Für die meisten Handwerksbetriebe überwiegt hier aber ganz klar der Sicherheitsgewinn. Der verbesserte Bilanzausweis stärkt zugleich Ihre Verhandlungsposition gegenüber Banken und Lieferanten.

Unechtes Factoring

Beim unechten Factoring bleibt das Ausfallrisiko bei Ihrem Betrieb. Der Factor finanziert die Rechnung zwar vor, kann den bereits ausgezahlten Betrag aber zurückfordern, wenn Ihr Kunde nicht zahlt.

Vorteile:

  • Geringere Gebühren als beim echten Factoring
  • Schnellerer Zahlungseingang als beim klassischen Zahlungsziel
     

Nachteile:

  • Kein Ausfallschutz
  • Rechtlich und bilanziell gilt das unechte Factoring als Kreditgeschäft
  • Eine Bilanzverkürzung entfällt
     

In Deutschland spielt unechtes Factoring eher eine untergeordnete Rolle. Es eignet sich vor allem zur Vorfinanzierung offener Rechnungen, bietet aber keinen Schutz vor Zahlungsausfällen.

Stilles Factoring

Beim stillen Factoring erfährt Ihr Kunde nichts vom Forderungsverkauf. Sie treten weiterhin wie gewohnt als Rechnungssteller auf, während der Factor die Forderung im Hintergrund finanziert.

Das Gegenstück dazu ist das offene Factoring, bei dem Ihr Kunde direkt an den Factor zahlt und der Forderungsverkauf offengelegt wird.

Vorteile:

  • Maximale Diskretion gegenüber Ihren Kunden
  • Die Kundenbeziehung bleibt unberührt
     

Nachteile:

  • Höhere Anforderungen an die Bonität Ihres Betriebs
  • Nicht jeder Anbieter bietet dieses Verfahren an
     

Für Handwerksbetriebe mit sensibler Kundenbeziehung kann dieses Modell sinnvoll sein, stellt aber höhere Anforderungen an die eigene Bonität.

Reverse Factoring als Alternative

Beim Reverse Factoring bezahlt der Factor Ihre Lieferanten sofort. Ihr Betrieb profitiert dadurch von einem längeren Zahlungsziel und schont die eigene Liquidität.

Vorteile:

  • Sie verlängern Ihr eigenes Zahlungsziel und schonen so die Liquidität
  • Pünktlich bezahlte Lieferanten gewähren häufig bessere Preise und Skonti
     

Nachteile:

  • Das Modell verlangt eine gute eigene Bonität, denn der Factor finanziert auf Ihr Risiko
  • Es betrifft nur den Einkauf, nicht Ihre eigenen offenen Kundenrechnungen
     

Für Handwerksbetriebe mit hohem Materialeinsatz kann das Reverse Factoring das klassische Forderungs-Factoring gut ergänzen, ersetzt es aber nicht.

Warum ist Factoring für Handwerksbetriebe besonders interessant?

Handwerksbetriebe stehen vor finanziellen Herausforderungen, die Factoring gezielt abfedert. Diese Pain Points kennt fast jeder Inhaber:

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Hohe Materialkosten

Material muss oft Wochen vor der Bezahlung eingekauft und vorfinanziert werden. Im Elektro- und SHK-Handwerk treiben Lieferengpässe und Preissteigerungen die Kosten zusätzlich nach oben.

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Personalkosten

Löhne und Gehälter sind termingebunden fällig, unabhängig davon, ob Ihr Kunde schon gezahlt hat.

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Lange Zahlungsziele

30 Tage und mehr sind durchaus üblich. Bei gewerblichen Kunden tritt Verzug nach 286 Abs. 3 BGB erst 30 Tage nach Fälligkeit automatisch ein.

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Abschlagszahlungen

Bei Bauleistungen nach 16 Abs. 1 VOB/B können Sie Abschlagszahlungen verlangen. Fällig sind sie binnen 21 Tagen nach einer prüfbaren Aufstellung. Trotzdem entstehen während langer Bauprojekte Lücken.

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Saisonabhängigkeit

Viele Branchen unterliegen einer Saisonabhängigkeit. Ein Dachdecker hat zum Beispiel in der Schlechtwetterzeit vom 1. Dezember bis 31. März weniger Aufträge, während Personal- und Gerätekosten weiterlaufen.

Beispiel: Ein Dachdecker schließt im Oktober mehrere Sanierungen ab und stellt Rechnungen über insgesamt 60.000 Euro. Zahlen die Kunden erst im Dezember, fehlt das Geld genau dann, wenn im Winter die Aufträge ausbleiben und die Löhne der Kolonne trotzdem fällig sind. Über Factoring steht der Betrag schon im Oktober zur Verfügung und überbrückt die schwache Saison.

Als Handwerker Forderungen verkaufen und Liquidität sichern

Wenn Sie als Handwerker Forderungen verkaufen, verwandeln Sie offene Rechnungen sofort in verfügbares Kapital. Diese Zwischenfinanzierung verschafft Ihnen dadurch wieder Handlungsspielraum:

  • Gehälter und Löhne pünktlich zahlen, auch wenn Kunden spät überweisen
  • Material für den nächsten Auftrag sofort einkaufen
  • Neue Aufträge annehmen, ohne an fehlender Liquidität zu scheitern
  • Eigene Lieferanten früh bezahlen und dabei Skonto ziehen, statt von der eigenen Handwerkerrechnung Skonto abziehen zu lassen

Die Zwischenfinanzierung über Factoring bleibt dabei ganz flexibel. Anders als bei einem festen Kreditrahmen wächst das Volumen automatisch mit Ihrem Umsatz mit. Wenn Sie also zum Beispiel ein höheres Handwerker Gehalt zahlen und gleichzeitig wachsen möchten, gewinnen Sie so finanzielle Stabilität.

Schutz vor Zahlungsausfall im Handwerk

Ein einziger großer Zahlungsausfall trifft einen kleinen Betrieb ziemlich hart. Wenn ein Kunde die Handwerkerrechnung nicht zahlt, z. B. wegen einer Insolvenz, dann fehlt nicht nur der Gewinn. Auch das bereits ausgegebene Geld für Material und Löhne ist verloren.

Zur Einordnung: Die Umsatzrendite im Handwerk liegt je nach Gewerk grob zwischen 5 und 8 Prozent. Bei einer Marge von 6 Prozent muss ein Betrieb rund das 16-Fache einer ausgefallenen Forderung zusätzlich erwirtschaften, nur um den Verlust auszugleichen. Der durchschnittliche Gewinn eines Handwerksbetriebs reicht also schnell nicht mehr, um einen größeren Ausfall aufzufangen.

Beim echten Factoring mit Ausfallschutz übernimmt der Factor genau dieses Risiko. Fällt Ihr Kunde aus, ist Ihre Auszahlung längst gesichert. Dieser Schutz bewahrt vor allem kleine Betriebe vor einer existenzbedrohenden Lücke.

Manche Betriebe sichern sich alternativ über eine Warenkreditversicherung ab. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt. Eine Versicherung ersetzt im Schadensfall einen Teil der ausgefallenen Forderung, verschafft aber keine sofortige Liquidität. Echtes Factoring verbindet beides, also den Schutz vor Ausfall und die sofortige Auszahlung.

Was kostet Factoring? Preise, Gebühren und Zinsen im Überblick

Die Kosten beim Factoring setzen sich aus mehreren Bausteinen zusammen. Wie hoch sie ausfallen, hängt von Ihrem Umsatz, Ihrer Kundenstruktur und Ihrer Bonität ab.

  • Factoringgebühr (Servicegebühr): Ein Prozentsatz vom Bruttoumsatz jeder eingereichten Rechnung, je nach Anbieter und Branche etwa 0,1 bis 1,6 Prozent. Sie deckt Bonitätsprüfung, Debitorenmanagement und Mahnwesen ab.
  • Factoringzins: Der Zins für die Vorfinanzierung bis zur Zahlung Ihres Kunden, häufig an den 3-Monats-EURIBOR plus Marge gekoppelt. Aktuell liegt er grob zwischen 3 und 5 Prozent pro Jahr. Der EURIBOR lag Anfang Mai 2026 bei rund 2,2 Prozent.
  • Gebühr für die Bonitätsprüfung: Manche Anbieter berechnen die Prüfung Ihrer Debitoren separat, wohingegen sie bei anderen sie im Preis enthalten ist.
  • Zusatzleistungen: Dazu gehören optionale Bausteine wie ein erweiterter Ausfallschutz, die laufende Bonitätsüberwachung Ihrer Kunden oder eine digitale Plattform zur Rechnungseinreichung.

Wichtig zu wissen ist auch, dass der Factoringzins nur für den tatsächlich genutzten Zeitraum läuft. Zahlt Ihr Kunde schon nach 20 Tagen, berechnet der Factor auch nur Zinsen für 20 Tage. Steuerlich zählen die Factoringgebühren als Betriebsausgaben und mindern Ihren steuerpflichtigen Gewinn.

Beim Vergleich mehrerer Angebote sollten Sie vor allem auf diese Details achten:

  • Vergleichen Sie die Gesamtkostenquote, nicht nur einzelne Prozentsätze
  • Achten Sie auf eine mögliche Mindestgebühr pro Monat oder pro Rechnung
  • Prüfen Sie Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist
  • Klären Sie, ob Bonitätsprüfung und Mahnwesen bereits im Preis enthalten sind

Beispielrechnung: Factoring-Kosten für einen Handwerksbetrieb

Ein Heizungsinstallateur stellt nach einer Heizungsmodernisierung eine Rechnung über 20.000 Euro brutto mit 30 Tagen Zahlungsziel. Er nutzt echtes Factoring mit 90 Prozent Sofortauszahlung.

PositionBetrag
Rechnungsbetrag (brutto)20.000 €
Sofortige Auszahlung (90 %)18.000 €
Factoringgebühr (0,8 %)160 €
Factoringzins (4 % p. a., 30 Tage)ca. 60 €
Gesamtkostenca. 220 €
Restauszahlung nach Kundenzahlung1.780 €
Effektiv erhalten19.780 €

Für rund 220 Euro (also etwa 1,1 Prozent der Rechnungssumme) erhält der Betrieb sofort 18.000 Euro, statt einen Monat zu warten. Bei einem drohenden Liquiditätsengpass ist dieser Preis meist günstiger als ein Dispositionskredit, der je nach Bank acht bis dreizehn Prozent im Jahr kostet, oder als ein verlorener Folgeauftrag.

Wichtig: Die genannten Sätze sind Beispielwerte. Ihr tatsächliches Angebot fällt je nach Bonität und Volumen anders aus. Sie müssen Ihre Factoringgebühr kennen, damit Sie sie direkt in die Kalkulation im Handwerk einplanen. Nur dann kann die Marge auch nach Abzug der Finanzierungskosten stimmen.

Factoring-Kosten schnell einschätzen

Factoring-Rechner für Ihren Liquiditätsvergleich

Berechnen Sie überschlägig, welche Gebühren, Finanzierungskosten und Nebenkosten beim Factoring entstehen können. Vergleichen Sie bis zu drei Angebote und erhalten Sie eine transparente Orientierung für Ihre Entscheidung.

Eckdaten eingeben

Tragen Sie Ihre Umsatz- und Angebotsdaten ein. Die Berechnung erfolgt direkt im Browser und dient als erste Orientierung.

Rechnungsvolumen pro Jahr in Euro
Durchschnittliche Laufzeit in Tagen
Kunden, die geprüft oder verwaltet werden
Bei All-in wird kein separater Zins berechnet
Parameter Angebot 1 Angebot 2 Angebot 3
Factoringgebühr in %
Zinssatz in % p. a.
Auszahlungsquote in %
Prüfkosten je Debitor
Monatliche Grundgebühr
Hinweis: Der Rechner liefert eine überschlägige Kostenindikation. Vertragsdetails, Bonitätsprüfung, Mindestgebühren und individuelle Vereinbarungen können die tatsächlichen Factoring-Kosten beeinflussen.

Ergebnis

Das günstigste Angebot wird automatisch hervorgehoben. Zusätzlich sehen Sie Kostenquote und voraussichtlichen Liquiditätseffekt.

Günstigstes Angebot
Angebot 1
Gesamtkosten: 0 €
Kostenquote
0,00 %
Gesamtkosten im Verhältnis zum Factoring-Umsatz
Sofort verfügbare Liquidität
0 €
Auf Basis der angegebenen Auszahlungsquote
Ergebnis Angebot 1 Angebot 2 Angebot 3

Tipp: STREIT Kalkulationssoftware für sichere Margen nutzen

Gerade beim Factoring ist es wichtig, zusätzliche Kosten sauber einzuplanen. Mit der STREIT Kalkulationssoftware kalkulieren Sie Material, Lohn, Gemeinkosten und weitere Kostenfaktoren übersichtlich in einem System. Dadurch erkennen Sie frühzeitig, ob Ihre Marge trotz Factoringgebühr stabil bleibt.

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Für wen eignet sich Factoring?

Nicht immer passt Factoring auch gleichermaßen zu jedem Betrieb. Vor allem Handwerksbetriebe, die regelmäßig auf Rechnung an gewerbliche Kunden leisten und unter langen Zahlungszielen leiden, profitieren davon. Vom Ein-Mann-Betrieb bis zum mittelständischen Bauunternehmen findet sich für nahezu jede Größe ein passender Anbieter.

Besonders häufig setzen folgende Betriebe auf Factoring:

  • Wachsende Betriebe, deren Liquiditätsbedarf schneller steigt, als die Bank den Kreditrahmen anpasst
  • Baunahe Gewerke mit langen Zahlungszielen und hohem Materialeinsatz
  • Betriebe mit wenigen großen Kunden, bei denen ein einzelner Ausfall besonders schwer wiegt

Weniger geeignet ist Factoring für Betriebe mit überwiegend privatem Endkundengeschäft gegen Sofortzahlung oder mit sehr wenigen und sehr kleinen Rechnungen.

Factoring oder Bankkredit?

Viele Inhaber stellen Factoring und klassische Kredite für Handwerker gegenüber. Beide schaffen zwar Liquidität, funktionieren aber grundlegend ganz verschieden.

KriteriumFactoringBankkredit
LiquiditätSofort, wächst mit dem UmsatzEinmaliger, fester Betrag
SicherheitenMeist keine, die Forderung dient als BasisOft Grundschuld oder Bürgschaft
BilanzEchtes Factoring verkürzt die Bilanz, Eigenkapitalquote steigtVerlängert die Bilanz, Quote sinkt
BonitätsprüfungVor allem die Ihrer KundenVor allem die Ihres Betriebs
FlexibilitätSkaliert mit dem UmsatzStarr, Neuverhandlung nötig
VerwaltungSinkt, Factor übernimmt das MahnwesenBleibt vollständig bei Ihnen

Beide Wege können sich auch ergänzen, was in der Praxis nicht gerade selten ist. Factoring deckt in dem Fall dann das laufende Betriebskapital und ein Kredit finanziert größere Investitionen wie einen neuen Firmenwagen oder eine Maschine.

Ist Factoring auch für kleine Handwerksbetriebe sinnvoll?

Auch Ein-Mann-Betriebe und kleine Teams könnten davon profitieren, besonders in Wachstumsphasen. Einige Anbieter setzen Mindestumsätze ab etwa 100.000 bis 150.000 Euro im Jahr an, andere bedienen gezielt kleinere Betriebe.

Wenn Sie mit Ihrem Handwerksunternehmen schnell wachsen, stoßen Sie mit dem Bankkredit oft an Grenzen. Das Factoring wächst dagegen automatisch mit. Ein kleiner Elektrobetrieb, der einen Großauftrag annimmt, finanziert mit Factoring demnach das nötige Material vor, ohne in eine Liquiditätslücke zu geraten.

Wichtig ist nur, dass die Gebühren zur Marge passen. Bei sehr kleinen Rechnungsbeträgen kann eine Mindestgebühr den Vorteil aufzehren. Hier sollten Sie mit Ihrem durchschnittlichen Rechnungswert kalkulieren, um ein wenig Klarheit zu schaffen.

FAQs

Was ist der Unterschied zwischen Factoring und einem klassischen Bankkredit?

Beim Factoring verkaufen Sie Forderungen und erhalten sofort Geld, ohne eine Schuld einzugehen. Ein Bankkredit ist dagegen eine Verbindlichkeit, die Sie mit Zinsen zurückzahlen. Das Factoring richtet sich nach der Bonität Ihrer Kunden und der Kredit nach Ihrer eigenen.

Wie schnell bekomme ich mein Geld beim Factoring?

Nach Einrichtung des Rahmenvertrags erfolgt die Auszahlung meist innerhalb von ein bis zwei Werktagen nach Einreichen der Rechnung. Die einmalige Einrichtung dauert je nach Anbieter wenige Tage bis einige Wochen.

Was ist der Nachteil von Factoring?

Factoring kostet Gebühren, die Ihre Marge schmälern. Beim offenen Verfahren erfährt Ihr Kunde vom Forderungsverkauf. Außerdem prüft der Factor die Bonität Ihrer Kunden, was die Auswahl der ankaufbaren Rechnungen einschränken kann.

Kann ich nur bestimmte Kunden über Factoring laufen lassen?

Das hängt vom Vertrag ab. Beim klassischen Factoring reichen Sie in der Regel alle Forderungen ein. Es gibt aber flexible Modelle, bei denen Sie einzelne Kunden oder Rechnungen auswählen.

Wie viel Verwaltungsaufwand entsteht beim Factoring für meinen Betrieb?

Der laufende Aufwand bleibt insgesamt eher gering. Sie reichen Rechnungen ein, den Rest übernimmt der Factor. Beim Full-Service arbeitet dieser sogar inklusive Mahnwesen und Inkasso. Noch weniger Aufwand haben Sie, wenn Sie eine Schnittstelle zu Ihrer Handwerkersoftware einrichten.

Eignet sich Factoring auch für Bauleistungen nach VOB?

Ja, allerdings nur, sofern der Anbieter über VOB-Kompetenz verfügt. Spezialisierte Factoring-Gesellschaften kaufen auch Teil- und Abschlagsrechnungen nach Baufortschritt an. Achten Sie bei Bauleistungen gezielt auf diese Spezialisierung, denn nicht jeder Factor kauft Forderungen vor der vollständigen Leistungserbringung an.

Bleibt der Kontakt zu meinen Kunden erhalten?

Beim offenen Factoring zahlt Ihr Kunde an den Factor, die Auftragsabwicklung bleibt aber vollständig bei Ihnen. Beim stillen Factoring bemerkt Ihr Kunde den Forderungsverkauf gar nicht. Ihre Kundenbeziehung leidet in beiden Fällen nicht.

Was passiert, wenn mein Kunde die Rechnung wegen Mängeln nicht zahlt?

Der Ausfallschutz beim echten Factoring greift bei Zahlungsunfähigkeit Ihres Kunden, nicht bei berechtigten Einwendungen. Reklamiert Ihr Kunde eine mangelhafte Leistung, bleibt Ihr Betrieb für die ordnungsgemäße Ausführung verantwortlich. Eine prüffähig dokumentierte Leistung schützt Sie hier am besten.

Wie lange bin ich an einen Factoring-Vertrag gebunden?

Üblich sind Mindestlaufzeiten von zwölf bis vierundzwanzig Monaten, die sich danach automatisch verlängern. Möchten Sie möglichst flexibel bleiben, dann achten Sie auf eine kurze Kündigungsfrist. Vereinbaren Sie außerdem keinen zu hohen jährlichen Mindestumsatz, damit der Vertrag zur Auftragslage des Betriebs passt.

Fazit

Damit sich Handwerksbetriebe gegen lange Zahlungsziele und Zahlungsausfälle absichern können, ist das Factoring ein gutes Mittel. Hier verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen und erhalten den Großteil sofort. Das sichert Ihre Liquidität, ohne neue Schulden aufzubauen. Besonders das echte Factoring schützt zugleich vor dem Ausfall einzelner Kunden.

Ob sich Factoring für Sie lohnt, hängt von Ihrer Kundenstruktur, Ihren Zahlungszielen und Ihrer Marge ab. Vergleichen Sie auf jeden Fall mehrere Anbieter. Achten Sie zudem auf Handwerks- und VOB-Kompetenz (idealerweise zumindest) und rechnen Sie die Kosten konkret durch. Wenn Sie Ihre Prozesse von der Kalkulation bis zur Rechnung digital aufstellen, ziehen Sie aus Factoring den größten Nutzen. Dazu gehören unter anderem die verlässliche Liquidität und die damit einhergehende Planungssicherheit.

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