Franchise im Handwerk: Systeme, Gebühren und Anbieter im Überblick

Franchising ist ein Vertriebskonzept, bei dem ein etabliertes Unternehmen (der Franchisegeber) sein erprobtes Geschäftsmodell, seine Marke und sein Know-how an selbstständige Unternehmer (den Franchisenehmer) übergibt. Der Franchisenehmer nutzt dieses bewährte System und zahlt dafür Einstiegs- sowie laufende Lizenzgebühren. Im Handwerk verbreitet sich dieses Modell immer mehr, vor allem in der Bau- und Renovierungsbranche, bei Kfz-Reparaturen sowie in der Sanitär- und Energietechnik.

Bedeutung von Franchise-Systemen im Handwerk

Die Franchise-Wirtschaft in Deutschland erwirtschaftet laut dem Deutschem Franchiseverband einen Gesamtumsatz von knapp 150 Milliarden Euro mit etwa 148.500 Partnern.

Mit Stand 2024 ist die Handwerk-, Bau- und Immobilienwirtschaft mit 17 Prozent vertreten. Für Elektriker, Dachdecker, Heizungsinstallateure und andere Handwerker eröffnet sich damit eine Alternative zur klassischen Betriebsgründung.

Definition von Handwerk Franchising

Handwerk-Franchising verbindet das klassische Handwerk mit einem strukturierten Geschäftskonzept. Als Franchisenehmer übernehmen Sie ein erprobtes Geschäftsmodell und profitieren von einer etablierten Marke. Rechtlich und wirtschaftlich bleiben Sie dennoch selbstständig.

Sie eröffnen mit eigenem Kapital einen Betrieb und vertreiben Produkte oder Dienstleistungen nach den Vorgaben des Franchisegebers. Das Franchise-Prinzip funktioniert dabei nach einem klaren Schema:

  • Der Franchisegeber lässt den Franchisenehmer an seiner Geschäftsidee teilhaben, die sich am Markt bereits durchgesetzt hat.
  • Für diese Vorleistungen und die kontinuierliche Unterstützung zahlt der Franchisenehmer eine Einstiegsgebühr sowie laufende Gebühren.

Im Vergleich dazu, wenn Sie einen klassischen Handwerksbetrieb gründen, erhalten Sie beim Franchising ein fertiges Konzept inklusive Schulungen, Marketingunterstützung und standardisierten Prozessen. Das sogenannte Franchise-Handbuch dokumentiert dabei alle wichtigen Abläufe, Standards und Methoden, die für den erfolgreichen Betrieb erforderlich sind.

Wichtig zu wissen: Nicht alle Franchise-Angebote im Handwerk erfordern einen Meistertitel oder handwerkliche Vorkenntnisse. Viele Systeme setzen auf Quereinsteiger mit Managementkompetenz, die handwerkliche Fachkräfte einstellen. So können auch Branchenfremde erfolgreich ins Handwerk einsteigen. Ob Zaunbau, Gebäudesanierung, Photovoltaik oder Gartenpflege: Gründer können bei ganz unterschiedlichen handwerklichen Tätigkeiten von den Vorteilen einer Franchise-Partnerschaft profitieren.

Gründe für Franchise-Systeme - Warum diese im Handwerk immer beliebter werden

Die Zusammenarbeit zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer basiert auf einem partnerschaftlichen Verhältnis. Der Franchisegeber stellt die Marke, das Marketing das Know-how und die Unterstützung bereit. Der Franchisenehmer bringt sein Engagement, lokales Wissen und Liquidität ein. Diese Arbeitsteilung macht das Modell für beide Seiten attraktiv. Das Handwerk boomt und genau davon wollen immer mehr Franchise-Unternehmen profitieren.

Die wichtigsten Gründe für die wachsende Beliebtheit:

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Markenbekanntheit

Sie profitieren vom guten Ruf einer etablierten Marke und finden neue Aufträge.

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Standardisierte Prozesse

Erprobte Abläufe für Auftragsakquise, Abwicklung und Kundenbetreuung minimieren Fehler.

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Geringeres Gründungsrisiko

Das Geschäftsmodell hat sich bereits am Markt bewährt.

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Umfassende Unterstützung

Schulungen, Marketingmaterial, IT-Systeme und laufende Beratung werden Ihnen zur Verfügung gestellt.

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Einkaufsvorteile

Sie erhalten bessere Konditionen durch gebündelte Beschaffung im Franchise-Netzwerk.

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Netzwerk und Erfahrungsaustausch

Sie profitieren vom Kontakt zu anderen Franchisenehmern mit ähnlichen Herausforderungen.

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Professionelles Marketing und Vertrieb

Es gibt zentrale Werbemaßnahmen, einen einheitlichen Markenauftritt und eine gemeinsame Strategie für den Vertrieb.

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Kontinuierliche Weiterentwicklung

Der Franchisegeber optimiert das System ständig.

Geeignet ist das System zum Beispiel für Handwerker, die ihr bestehendes Geschäftsmodell erweitern oder sich auf Nischen mit starker Umsatzrendite spezialisieren möchten. Auch als zweites Standbein kann ein Franchise-Konzept sinnvoll sein.

Top Franchise-Anbieter im Handwerk

Der Markt für Handwerk-Franchise-Systeme ist ziemlich vielfältig und wächst dazu noch stetig. Von Badsanierung über Photovoltaik bis zur Kfz-Technik finden Sie für nahezu jeden Bereich spezialisierte Anbieter. Die Bandbreite reicht von etablierten Systemen mit jahrzehntelanger Erfahrung bis zu innovativen Start-ups, die neue Technologien ins Handwerk bringen.

Franchise für Bauunternehmen und Fliesenleger

Die Bau- und Renovierungsbranche bietet besonders viele Franchise-Möglichkeiten im Handwerk. In diesem Segment finden Sie zum Beispiel die Bereiche Gebäudesanierung, Steinpflege oder Innenausbau.

Franchise für SHK-Betriebe

Der Sanitär-, Heizungs- und Klimabereich (SHK) bietet ebenfalls viele Franchise-Möglichkeiten. Besonders interessant ist hier, dass sich in diesem Segment viele Angebote auch an Quereinsteiger ohne handwerkliche Vorkenntnisse richten.

Franchisenehmer werden - Diese Voraussetzungen müssen Sie erfüllen

Je nach System variieren die Anforderungen an Franchisenehmer ziemlich stark. Einige Konzepte richten sich gezielt an ausgebildete Handwerker mit Meistertitel, andere setzen dagegen bewusst auf Selbständige ohne Meister mit unternehmerischen Fähigkeiten. Ein Quereinstieg ohne einschlägige Vorkenntnisse ist beispielsweise bei Beratungs- und Verkaufskonzepten wie Viterma oder viviania deutlich einfacher als bei klassischen Handwerksleistungen, die einen Meistertitel erfordern.

Grundlegende Voraussetzungen für Franchisenehmer:

  • Unternehmerisches Denken: Sie führen einen eigenständigen Betrieb und tragen wirtschaftliche dadurch auch die Verantwortung.
  • Eigenkapital: Je nach System benötigen Sie 5.000 und 75.000 Euro auf Ihrem Geschäftskonto, mindestens 20 Prozent der Gesamtinvestition.
  • Bereitschaft zur Systemtreue: Einhaltung der Vorgaben und Standards des Franchisegebers gehören in jedem Fall dazu.
  • Moderne Unternehmensführung: Sie benötigen die Fähigkeit, Mitarbeiter zu führen und zu motivieren
  • Regionale Präsenz: Sie brauchen Kenntnis des lokalen Marktes und die Bereitschaft zum persönlichen Einsatz.
  • Vertriebsaffinität: Viele Franchise-Systeme erfordern eine aktive Kundenakquise.
  • Belastbarkeit: Gerade in der Aufbauphase sind ein hoher Einsatz und durchaus auch lange Arbeitszeiten erforderlich.

Im Handwerk ist die Eintragung in die Handwerksrolle zudem oft erforderlich. Bei zulassungspflichtigen Gewerken benötigen Sie einen Meistertitel oder eine Ausnahmegenehmigung gemäß § 7 Handwerksordnung (HwO). Viele Franchise-Systeme lösen diese Vorgabe, indem der Franchisenehmer einen Meister einstellt. Informationen zu den rechtlichen Grundlagen erhalten Sie bei Ihrer regionalen Handwerkskammer oder über eine Beratung im Handwerk.

Beratung zum Thema Franchise – Portale und Ratgeber im Überblick

Franchiseverträge und -strukturen sind ziemlich komplex und erfordern eine gründliche Prüfung vor der Unterschrift. Bevor Sie also eine Entscheidung treffen, sollten Sie sich umfassend informieren und professionell beraten lassen. Die Komplexität ergibt sich im Übrigen vor allem daraus, dass Franchising in Deutschland keine festgelegte Rechtsform ist und verschiedene Rechtsgebiete berührt (z. B. Handelsrecht, Markenrecht und Arbeitsrecht).

Die besten Franchise-Portale: So finden Sie das passende System

Im Internet finden Sie spezialisierte Portale, die Ihnen die Suche nach dem passenden Franchise-System erleichtern. Diese Plattformen bieten Vergleichsmöglichkeiten, Kontaktoptionen zu Franchisegebern und zudem auch einige wertvolle Hintergrundinformationen. Anbei einige Beispiele:

  • Deutscher Franchiseverband (DFV): Hierbei handelt es sich um die zentrale Anlaufstelle für Franchise in Deutschland. Mitglieder werden regelmäßig geprüft und durch ein Qualitätssiegel zertifiziert.
  • FranchiseDirekt: Dies ist eines der größten Franchise-Portale mit detaillierten Informationen zu Systemen, Kosten und Voraussetzungen.
  • FranchisePortal: Hier erhalten Sie eine umfassende Übersicht über Handwerk-Franchise-Systeme mit Ratgeberartikeln und Vergleichsmöglichkeiten.

Franchise-Ratgeber als Voraussetzung für einen erfolgreichen Start

Neben den Vergleichsportalen bieten Fachmedien und Institutionen ebenfalls einige wertvolle Einblicke in die Praxis des Franchisings. Hier erhalten Sie zum Beispiel Erfahrungsberichte, Expertentipps und teilweise auch eine persönliche Unternehmensberatung.

  • Handwerk Magazin: Hier erhalten Sie regelmäßige Berichte und Rankings zu Franchise-Systemen im Handwerk, teilweise auch mit Erfahrungsberichten.
  • Handwerksblatt: Auf dieser Seite werden praxisnahe Artikel zu Chancen und Risiken von Franchise im Handwerk veröffentlicht.
  • Handwerkskammern: Ihre regionale Handwerkskammer bietet eine kostenlose Erstberatung zu Gründungsfragen und Fördermöglichkeiten. Hier können Sie sich zudem auch über das Thema Förderungen Handwerk

Tipp: Handwerkersoftware nutzen und Betriebsabläufe digitalisieren

Beratung im Handwerk bedeutet heute auch, Abläufe digital zu strukturieren. Eine durchgängige Handwerkersoftware wie STREIT unterstützt dabei, Büroarbeit zu vereinfachen, Prozesse übersichtlich zu steuern und die Digitalisierung in Gänze abzudecken. Angebote, Kalkulationen, Einsatzplanung und Aufträge, Rechnungen und Arbeitszeiten werden zentral erfasst und sind jederzeit nachvollziehbar.

Mit passenden Handwerker-Apps arbeiten Teams auch auf der Baustelle digital . Informationen stehen mobil zur Verfügung und werden ohne doppelte Eingabe ins Büro übertragen. So entstehen klare Abläufe, weniger Abstimmungen und mehr Zeit für das eigentliche Handwerk.

Software und persönliche Beratung greifen dabei ineinander. Das sorgt für Sicherheit bei der Einführung und im laufenden Betrieb.

Mehr zur Handwerkersoftware

Franchisevertrag – Worauf Sie als Franchisenehmer achten sollten

Der Franchisevertrag bildet die rechtliche Grundlage für Ihre Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber. Das Vertragswerk regelt dabei alle wichtigen Rechte und Pflichten beider Parteien. Bei einem Franchisevertrag handelt es sich um einen sogenannten Formularvertrag, der im Gegensatz zum Individualvertrag nicht nur einmal, sondern unverändert mit vielen Partnern abgeschlossen wird. Als Formularvertrag unterliegt er dem Gebot der kundenfreundlichsten Auslegung gemäß §§ 305 ff. BGB.

In Deutschland ist Franchising (anders als z. B. in Belgien, Frankreich oder Italien) nicht gesetzlich geregelt. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Prüfung des Vertrags durch einen spezialisierten Rechtsanwalt. Es gibt einige Vertragsinhalte, auf die Sie achten sollten:

  • Vertragsgegenstand (Nutzungsrechte an Marke, Know-how, Patenten und Geschäftskonzept)
  • Gebührenstruktur (Einstiegsgebühr, laufende Franchisegebühren, Werbeumlagen)
  • Vertragslaufzeit (typischerweise fünf bis zehn Jahre mit Verlängerungsoptionen)
  • Gebietsschutz (Exklusivrechte für ein definiertes Vertragsgebiet)
  • Bezugspflichten (Vorgaben zum Einkauf von Waren oder Materialien)
  • Schulungen und Unterstützung (Art und Umfang der Leistungen des Franchisegebers)
  • Kontroll- und Weisungsrechte (Befugnisse des Franchisegebers zur Qualitätssicherung)
  • Kündigungsfristen (ordentliche und außerordentliche Kündigung, Folgen der Vertragsbeendigung)
  • Wettbewerbsverbot (Einschränkungen während und nach der Vertragslaufzeit)

Als Existenzgründer haben Sie unter bestimmten Voraussetzungen ein Widerrufsrecht von 14 Tagen nach Vertragsschluss gemäß § 355 BGB. Dieses greift, wenn eine Bezugsbindung vorliegt und das Geschäft die Widerrufswertgrenze von 75.000 Euro nicht überschreitet.

Franchise-Modelle im Überblick – Gängige Organisationsmodelle

Je nach Eigentumsstruktur und Betriebsführung unterscheidet man verschiedene Franchise-Modelle. Die Wahl des Modells ist vor allem für Ihre Investitionshöhe, Ihr Risiko und Ihren unternehmerischen Gestaltungsspielraum relevant.

  • COCO (Company Owned, Company Operated): Der Franchisegeber besitzt und betreibt die Filiale selbst. Dies dient oft als Pilotbetrieb.
  • COFO (Company Owned, Franchise Operated): Das Unternehmen besitzt den Standort und der Franchisenehmer betreibt ihn. Hier kommt es zu einer geringeren Investition für den Franchisenehmer.
  • FOCO (Franchise Owned, Company Operated): Der Franchisenehmer investiert in den Standort und der Franchisegeber übernimmt den Betrieb. Im Handwerk ist dieses Konzept aber eher selten.
  • FOFO (Franchise Owned, Franchise Operated): Der Franchisenehmer besitzt und betreibt den Standort selbstständig. Dies ist die häufigste Form im Handwerk und bietet maximale unternehmerische Verantwortung.

Neben diesen Grundmodellen unterscheidet man auch zwischen Hard Franchise und Soft Franchise. Beim Hard Franchise sind die Vorgaben sehr strikt, wohingegen Franchisenehmer beim Soft Franchise mehr Gestaltungsspielraum haben. Im Handwerk sind Soft-Franchise-Modelle daher auch deutlich verbreiteter.

Kosten und Finanzierung – Das gilt es als Franchisenehmer im Handwerk zu beachten

Neben den Franchisegebühren fallen auch Investitionskosten und laufende Betriebskosten an. Sie kommen um eine realistische Finanzplanung daher nicht herum. Positiv ist aber, dass die Einstiegshürden im Handwerk meist niedriger sind als in anderen Branchen wie z. B. der Gastronomie.

Welche Franchise-Gebühren fallen an?

Beim Einstieg in ein Franchise-System zahlen Sie zunächst eine einmalige Einstiegsgebühr für die Nutzung des Geschäftskonzepts, Schulungen und die Systemintegration. Etwa zwei Drittel aller Systeme verlangen meist zwischen 10.000 und 30.000 Euro. In einigen Fällen liegt die Gebühr bei nur 5.000 Euro. Bei etablierten Systemen mit starker Marke kann sie aber auch bis zu 75.000 Euro betragen.

Wichtig: Die Einstiegsgebühr ist nicht rückzahlbar, wenn der Vertrag vorzeitig beendet wird.

Hinzu kommen laufende Franchisegebühren, die Sie monatlich als prozentualen Anteil vom Nettoumsatz entrichten. Diese Gebühr deckt die kontinuierliche Unterstützung durch den Franchisegeber ab, also zum Beispiel Schulungen, Beratung und die Weiterentwicklung des Systems. Im Handwerk liegen die Gebühren typischerweise zwischen drei und sechs Prozent des Umsatzes. Tendenziell sind sie hier sogar niedriger als in reinen Dienstleistungsbranchen.

Viele Franchisegeber erheben zusätzlich eine Werbegebühr als Umlage für zentrale Marketingmaßnahmen. Diese liegt meist zwischen einem und drei Prozent des Umsatzes und finanziert die überregionale Werbung. Hiervon profitieren dann alle Partner.

Ehe Sie einen Vertrag unterzeichnen, sollten Sie auf verdeckte Gebühren achten. Das können beispielsweise Aufschläge auf Pflichtbezüge von Waren oder Materialien sein. Diese könnten dann den Gewinn schmälern, ohne offiziell als Franchisegebühr ausgewiesen zu sein.

Investitionen und laufende Kosten im Handwerker-Franchise

Neben den Franchisegebühren müssen Sie mit weiteren Kosten rechnen. Das Investitionsvolumen variiert stark je nach Branche und System. Es können wenige tausend Euro für mobile Konzepte sein, aber auch sechsstelligen Beträge für stationäre Betriebe.

Beispiel für die typischen Anfangsinvestitionen:

  • Handwerker Autos und Fahrzeugeinrichtungen (je nach System 15.000 bis 50.000 Euro)
  • Werkzeuge, Maschinen und Spezialausrüstung
  • Büroausstattung und IT-Systeme
  • Erstausstattung mit Waren und Material
  • Kaution für Geschäftsräume
  • Gründungskosten (Notar, Gewerbeanmeldung, Rechtsberatung)
  • Liquidität mit zusätzlicher Reserve für die Anlaufphase

Beispiele für laufende Betriebskosten:

Als Eigenkapital sollten Sie mindestens 20 Prozent der Gesamtinvestition einplanen. Für die Finanzierung gibt es neben klassischen Handwerkerkrediten auch Fördermöglichkeiten im Handwerk. Bei der komplexen Kalkulation empfehlen wir, einen Existenzgründungsberater hinzuzuziehen. Bis zu 80 Prozent der Beratungskosten könnten je nach Situation gefördert werden.

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Vor- und Nachteile von Franchising

Bevor Sie sich für ein Franchise-System entscheiden, sollten Sie die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen.

VorteileNachteile
Franchising

· Bewährtes Geschäftsmodell mit geringerem Gründungsrisiko

· starke Marke und professionelles Marketing

· umfassende Schulungen und kontinuierliche Unterstützung

· Einkaufsvorteile durch Netzwerk-Bündelung

· Schnellere Skalierung und Markteintritt

· Erleichterter Einstieg für Gründer und Quereinsteiger

· Erfahrungsaustausch im Partnernetzwerk

· Weniger unternehmerische Freiheit durch Systemvorgaben

· Laufende Kosten durch Franchisegebühren schmälern den Gewinn

· Abhängigkeit vom Franchisegeber und dessen Entscheidungen

· Langfristige Vertragsbindung (oft fünf bis zehn Jahre)

· Eingeschränkter Kundenfokus durch Systemvorgaben

· Bezugspflichten können die eigene Flexibilität einschränken

· Imageschäden durch andere Franchisenehmer möglich

Chancen eines Franchise im Handwerk

Für einige Zielgruppen eignet sich ein Franchise-Modell besonders. Wenn Sie zum Beispiel Gründer ohne Branchenerfahrung sind, dann bekommen Sie sowohl ein komplettes Konzept als auch intensive Schulungen. Doch auch erfahrene Handwerker mit einem Spezialisierungswunsch profitieren vom Franchise als renditestarkes zweites Standbein.

Wer als Freiberufler Handwerk zur Leidenschaft gemacht hat, kann sich mit dem Franchise einen strukturierten Übergang in ein festes Geschäftsmodell schaffen. Ebenfalls geeignet ist das System für Quereinsteiger, die eine gewisse Managementkompetenz aufweisen. Viele Systeme setzen bewusst auf Vertriebstalente statt auf Handwerkswissen.

Franchise kann den Betrieb auch unabhängiger von einem Inhaber machen. Wird also ein Nachfolger gesucht im Handwerk, dann ist auch das eine mögliche Idee. Dazu kommt, dass Franchise-Systeme oftmals moderne IT-Lösungen anbieten, sodass sich das System auch für Handwerker mit Digitalisierungsbedarf eignet.

Franchisegeber im Handwerk werden

Nicht nur als Franchisenehmer können Sie vom Franchising profitieren. Auch der Aufbau eines eigenen Franchise-Systems ist für erfolgreiche Handwerksbetriebe eine Option zur Skalierung des Geschäftsmodells. Wenn Sie über Jahre hinweg ein funktionierendes Konzept entwickelt haben, können Sie dieses Wissen an Partner weitergeben und so deutschlandweit oder sogar international expandieren. Praktisch ist das vor allem deswegen, weil Sie dadurch nicht selbst jeden Standort betreiben müssen.

Wann es sinnvoll ist, ein eigenes Franchise-System im Handwerk aufzubauen

Der Schritt zum Franchisegeber erfordert vor allem einen ausgereiften Betrieb. Prüfen Sie daher erst einmal, ob folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Ihre Abläufe sind standardisiert, reproduzierbar und wurden gegebenenfalls durch eine mobile Auftragsabwicklung
  • Sie haben eine erkennbare Positionierung im Markt
  • Ihr Geschäftsmodell ist nachweislich profitabel
  • Ihre Methoden sind schriftlich fixiert und übertragbar
  • Der Markt bietet Raum für weitere Standorte
  • Sie können Zeit und Kapital in den Systemaufbau investieren
  • Sie sind bereit, Partner langfristig zu unterstützen

Schritt-für-Schritt zum Franchisegeber

Falls die genannten Punkte auf Sie zutreffen, können Sie wie folgt vorgehen, um ein eigener Franchisegeber zu werden.

  1. Konzept entwickeln: Analysieren Sie Ihr Geschäftsmodell und identifizieren Sie die erfolgskritischen Faktoren. Was macht Ihren Betrieb besonders? Was lässt sich auf andere Standorte übertragen?
  2. Pilotbetrieb starten: Testen Sie das Konzept in einem oder mehreren eigenen Betrieben unter realistischen Bedingungen.
  3. Systemhandbuch erstellen: Dokumentieren Sie alle Prozesse, Standards und Abläufe in einem umfassenden Handbuch wie beispielsweise bei einer Baustellendokumentation.
  4. Rechtliche Struktur aufbauen: Lassen Sie den Franchisevertrag von einem spezialisierten Anwalt erstellen. Klären Sie hier auch unbedingt die Markenrechte.
  5. Schulungskonzept entwickeln: Planen Sie, wie Sie Ihre Partner auf den Betrieb vorbereiten und kontinuierlich weiterbilden.
  6. Gebührenstruktur festlegen: Kalkulieren Sie die Einstiegsgebühren und laufenden Gebühren bei der Zuschlagskalkulation so, dass sie Ihre Kosten decken.
  7. Partnergewinnung starten: Definieren Sie das ideale Partnerprofil und beginnen Sie mit der aktiven Akquise über Portale und Messen.

Wer übernimmt welche Aufgaben im Handwerker-Franchise?

Eine klare Aufgabenteilung zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer ist das Fundament jeder erfolgreichen Franchise-Partnerschaft. Während Sie als Franchisenehmer den operativen Betrieb vor Ort verantworten, kümmert sich die Systemzentrale um übergeordnete Aufgaben wie Marketing, Schulungen und Systementwicklung.

Aufgaben und Verantwortung als Franchisenehmer

Als Franchisenehmer führen Sie Ihren Betrieb eigenverantwortlich und sind für das Tagesgeschäft zuständig. Dazu gehört die operative Betriebsführung mit der täglichen Leitung des Unternehmens und der Personalführung ebenso wie die Kundenakquise und -betreuung in Ihrer Region. Sie setzen die Vorgaben des Franchisegebers zu Qualität, Preisen und Markenauftritt um und sorgen so für die Einhaltung der Systemstandards.

Darüber hinaus übernehmen Sie das Berichtswesen und melden regelmäßig Umsätze sowie andere Kennzahlen an die Zentrale. Für die Bekanntheit in Ihrem Einzugsgebiet sorgen Sie durch lokales Marketing, das die zentralen Werbemaßnahmen ergänzt. Selbstverständlich gehört auch die fristgerechte Zahlung der Franchisegebühren zu Ihren Pflichten. Um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben, nehmen Sie regelmäßig an Schulungen und Partnertreffen teil und wirken aktiv an der Qualitätssicherung mit, etwa durch Mitwirkung bei Kontrollen und Audits.

Unterstützung durch den Franchisegeber

Im Gegenzug erhalten Sie als Franchisenehmer eine umfassende Unterstützung durch die Systemzentrale. Diese beginnt mit einer Grundausbildung vor dem Start und setzt sich durch regelmäßige Weiterbildungen fort. Im Bereich Marketing profitieren Sie von zentralen Werbemaßnahmen, professionellen Vorlagen und überregionalen Kampagnen, die Ihnen die Kundengewinnung erleichtern.

Der Franchisegeber stellt Ihnen in der Regel auch IT-Systeme für die Auftragsverwaltung, Buchhaltung und das Kundenmanagement zur Verfügung. Er bietet zudem laufende Beratung bei betriebswirtschaftlichen und operativen Fragen. Die Zentrale kümmert sich außerdem um die Weiterentwicklung des Konzepts und passt das System an veränderte Marktanforderungen an.

Durch den gebündelten Einkauf verhandelt der Franchisegeber günstige Konditionen mit Lieferanten, von denen dann gleich alle Partner profitieren. Regelmäßige Partnertreffen und Netzwerkveranstaltungen ermöglichen zudem den Erfahrungsaustausch unter Kollegen. Im Bereich Qualitätsmanagement unterstützt Sie die Zentrale außerdem bei der Einhaltung von Standards und Zertifizierungen.

FAQs zu Franchise im Handwerk

Welche Voraussetzungen muss ein Franchisenehmer im Handwerk erfüllen?

Die Anforderungen variieren je nach System ziemlich stark. Grundsätzlich benötigen Sie unternehmerisches Denken, ausreichend Eigenkapital (mindestens 20 Prozent der Gesamtinvestition) und die Bereitschaft, sich an Systemvorgaben zu halten. Bei zulassungspflichtigen Handwerken ist eine Eintragung in die Handwerksrolle erforderlich. Viele Systeme akzeptieren auch Quereinsteiger ohne handwerkliche Vorkenntnisse.

Welche Kosten entstehen beim Einstieg in ein Handwerk-Franchise?

Die Einstiegsgebühr liegt typischerweise zwischen 10.000 und 30.000 Euro, variiert aber stark. Hinzu kommen Investitionen in Ausstattung, Fahrzeuge und Betriebsmittel sowie die laufenden Franchisegebühren von meist drei bis sechs Prozent des Umsatzes. Insgesamt können es weniger als 20.000 Euro, aber auch mehrere hunderttausende Euro sein.

In welchen Handwerksbranchen sind Franchise-Systeme besonders verbreitet?

Franchise-Systeme finden sich vor allem hier:

  • Bau- und Renovierungsbranche (Badsanierung, Gebäudeabdichtung, Bodenbeläge, Türen- und Küchenrenovierung)
  • Kfz-Bereich (Reifen- und Autoservice, Hydraulikservice)
  • Energietechnik (Photovoltaik, Heizung, Smart Home)
  • Spezialisierte Dienstleistungen (z. B. Steinpflege, Zaunbau, Rohrsanierung)

Kann ein bestehender Handwerksbetrieb Teil eines Franchise-Systems werden?

Viele Franchise-Systeme richten sich sogar gezielt an bestehende Handwerksbetriebe, die ihr Geschäftsmodell erweitern oder sich auf renditestarke Nischen spezialisieren möchten. Ein Franchise kann auch als zweites Standbein neben dem bestehenden Geschäft dienen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer?

Die Zusammenarbeit basiert auf einem partnerschaftlichen Verhältnis, das im Franchisevertrag geregelt ist. Der Franchisegeber stellt die Marke, das Know-how und die Unterstützung bereit. Der Franchisenehmer führt dafür den Betrieb vor Ort eigenverantwortlich. Ein regelmäßiger Austausch, Schulungen und das Berichtswesen sichern die Qualität im gesamten Netzwerk. Der Franchisegeber hat gewisse Kontroll- und Weisungsrechte, wobei der Franchisenehmer aber selbstständiger Unternehmer bleibt.

Fazit

Als Franchisenehmer im Handwerk profitieren Sie von einem erprobten Geschäftsmodell, einer starken Marke und umfassender Unterstützung. Gleichzeitig ist das Gründungsrisiko im Vergleich zur klassischen Selbstständigkeit geringer. Die Bandbreite an Systemen reicht von der Badsanierung und Gebäudeabdichtung über Photovoltaik und Energieberatung bis hin zu Kfz-Services und spezialisierten Handwerksleistungen.

Wichtig für den eigenen Erfolg als Franchisenehmer ist die sorgfältige Auswahl des passenden Systems. Vergleichen Sie die verschiedenen Angebote, lassen Sie sich beraten und die Franchiseverträge von einem Anwalt prüfen. Nehmen Sie sich außerdem ausreichend Zeit für die Entscheidung und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Auch der umgekehrte Weg (also der Aufbau eines eigenen Franchise-Systems) kann für erfolgreiche Handwerksbetriebe mit stabilen Prozessen und starker Marke eine attraktive Wachstumsstrategie sein. Der Aufbau erfordert jedoch erhebliche Vorleistungen und sollte gut geplant werden.

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