Roboter auf der Baustelle – Einsatzbereiche & Anbieter 2026

Immer häufiger übernehmen Roboter auf Baustellen körperlich anstrengende, repetitive und auch gefährliche Aufgaben. Für die Baubranche bedeutet das ein ziemlich tiefgreifender Wandel. Es eröffnen sich für Handwerksbetriebe aber auch neue Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel zu begegnen und die Produktivität zu steigern.

Vom Handwerk zur automatisierten Baustelle

Schon in den letzten Jahren hat die Digitalisierung im Handwerk erheblich an Fahrt aufgenommen. Während Software und digitale Planung schon längst zum Standard gehören, erreicht nun auch die Robotik die Baustelle. Der Wandel kommt dabei nicht gerade von ungefähr. Fakt ist, dass der Fachkräftemangel im Handwerk Betriebe zum Umdenken zwingt. In Deutschland fehlen nach Branchenschätzungen über 200.000 Fachkräfte im Baugewerbe. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Beschäftigten. Dazu kommt, dass körperlich belastende Tätigkeiten zu hohen Ausfallzeiten führen. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch das Thema KI im Handwerk zunehmend an Bedeutung. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Arbeitsabläufe zu automatisieren und Fachkräfte gezielt zu entlasten – sei es in der Planung, auf der Baustelle oder in der Verwaltung.

Roboter übernehmen vor allem monotone Arbeiten wie stundenlanges Bohren über Kopf, schweres Heben oder auch das präzise Mauern. Das entlastet zum einen die Mitarbeiter, verbessert aber auch den Arbeitsschutz im Handwerk. Gleichzeitig ermöglicht dieses Handwerk 4.0 Betrieben, Aufträge auch mit knapper Personaldecke abzuarbeiten.

Definition: Was sind Baustellenroboter?

Baustellenroboter sind automatisierte oder teilautomatisierte Maschinen, die spezifische Aufgaben auf Baustellen übernehmen. Im Gegensatz zu klassischen Baumaschinen wie Baggern oder Kränen arbeiten sie selbstständig nach digitalen Plänen. Damit können sie Aufgaben ohne ständige menschliche Steuerung ausführen. Sie lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:

  • Mobile Robotiksysteme: fahrbare Plattformen mit Roboterarmen für Bohr-, Setz- oder Markierarbeiten
  • Stationäre Bauroboter: fest installierte Systeme für wiederkehrende Aufgaben wie 3D-Druck oder Schweißen
  • Laufroboter: vierbeinige Roboter für Inspektion und Dokumentation auf unwegsamem Gelände
  • Cobots: kollaborative Roboter, die direkt mit Menschen zusammenarbeiten

Überblick: Anbieter und ihre Funktionen

Der Markt für Baustellenroboter wächst ziemlich rasant. Neben bereits etablierten Industrieroboter-Herstellern drängen jetzt auch spezialisierte Start-ups und Bautechnik-Konzerne in den Markt. Es gibt mittlerweile kompakte Bohrroboter genauso wie autonome Mauersysteme.

Hilti Jaibot: Bohrroboter für Deckeninstallationen

Der Hilti Jaibot ist ein semi-autonomer Bohrroboter für Wand- und Deckenbohrungen. Er arbeitet auf Basis digitaler BIM-Pläne und setzt die Bohrlöcher genau nach Vorgabe. Ein Mitarbeiter richtet den Roboter per Tablet ein und überwacht dann anschließend den Betrieb.

  • Funktionen: automatisches Bohren und Markieren, integrierte Staubabsaugung, Synchronisation mit BIM-Modell
  • Akkuleistung: bis zu acht Stunden Betrieb
  • Besonderheit: vollständig kabelloses System, direkter Import von AutoCAD- oder Revit-Daten
  • Preis/Miete: auf Anfrage, Hilti bietet Komplettlösungen inklusive Schulung und Support

Fischer BauBot: Bohrroboter

Der fischer BauBot ist ein vollautomatischer Befestigungsroboter, der auf einer mobilen Plattform montiert ist. Er bohrt, reinigt und setzt Anker vollautomatisch nach digitalem Bauplan. Der Roboter arbeitet in alle Richtungen, also Boden, Wand und Decke gleichermaßen.

  • Funktionen: vollautomatisches Bohren, Reinigen, Markieren und Ankersetzen
  • Einsatzgebiete: Tunnel, Brücken, Hochbau, Produktionshallen, Sanierung
  • Besonderheit: integrierte Dokumentation im BIM-Modell, Arbeitsbereich 360 Grad, Höhe über fünf Meter
  • Preis/Miete: fischer bietet Full-Service mit Bediener, Preise projektabhängig auf Anfrage

Boston Dynamics – Spot

Der Boston Synamics Spot ist ein vierbeiniger Laufroboter, der sich vor allem auf unebenem Gelände und Treppen sicher bewegen kann. Er dient vor allem der Baustellendokumentation und -inspektion und trägt Laserscanner oder Kameras auf dem Rücken.

  • Funktionen: 3D-Scanning, Baufortschrittsdokumentation, Inspektion gefährlicher Bereiche
  • Laufzeit: 90 Minuten pro Akkuladung
  • Besonderheit: autonome Navigation, Treppensteigen, modulare Nutzlasten
  • Preis: Basismodell ab ca. 74.500 US-Dollar, mit Zusatzausstattung über 100.000 Euro, Mietoptionen verfügbar

BauBot

Die österreichische Baubot GmbH (Teil der fischer-Gruppe) entwickelt mobile Robotiksysteme mit KUKA-Robotern. Die Systeme automatisieren Bohrarbeiten in Tunneln, Brücken und Gebäuden.

  • Funktionen: automatisiertes Bohren für Handläufe, Kabeltrassen und Befestigungen
  • Software: Baubot PSE zur Planung und Simulation, Import von BIM, CAD und 2D-Zeichnungen
  • Besonderheit: Sensoren für Sicherheitszonen, automatische Staubabsaugung
  • Preis/Miete: projektbasierte Dienstleistung mit Operator, Preise auf Anfrage

ABB

ABB Robotics setzt auf dezentrale Mikrofabriken für die Baubranche. In Zusammenarbeit mit AUAR produzieren ABB-Roboter Holzrahmenplatten und Bauelemente direkt in der Nähe der Baustelle.

  • Funktionen: Montage und Handling von Bauelementen, KI-gestützte Bildverarbeitung
  • Kapazität: Grundgerüst und Fassade eines Hauses in unter zwölf Stunden
  • Besonderheit: reduziert Transportwege und CO₂-Emissionen durch lokale Produktion
  • Preis: projektabhängig, Industrieroboter ab ca. 25.000 Euro aufwärts

Bauroboter Hadrian X – FBR Limited

Hadrian X ist ein vollautomatischer Maurerroboter des australischen Unternehmens FBR. Er baut komplette Häuser aus Mauersteinen nach CAD-Dateien und benötigt dabei keine menschliche Hilfe.

  • Leistung: 300 Mauersteine pro Stunde, bis zu 500 geplant
  • Reichweite: 32 Meter Auslegerarm, Gebäude bis zu drei Stockwerke
  • Besonderheit: 24-Stunden-Betrieb möglich, dynamische Stabilisierung gegen Wind
  • Preis: 2 Millionen Euro, primär als Dienstleistung „Wall as a Service“ angeboten

KUKA

KUKA liefert die Roboter für viele Baustellenanwendungen, insbesondere für die Baubot-Systeme. Die KR-IONTEC-Baureihe eignet sich mit Traglasten von 20 bis 70 kg für verschiedene Bauaufgaben.

  • Einsatzgebiete: Bohren, Schweißen, Handling, modulare Fertigung
  • Besonderheit: vor allem in schwierigen Umgebungen bewährt, hohe Langlebigkeit
  • Preis: KUKA-Roboter ab ca. 25.000 bis 150.000 Euro je nach Modell und Ausstattung

ICON – Vulcan

ICON Vulcan ist ein 3D-Betondrucker für den Hausbau. Er druckt massive Wände direkt vor Ort aus Standard-Beton.

  • Druckgeschwindigkeit: bis zu 10 cm pro Sekunde
  • Wandhöhe: bis zu drei Meter
  • Besonderheit: verwendet Standard-Beton, keine teuren Spezialmaterialien
  • Preis: projektbasiert, vor allem für größere Wohnbauprojekte

Canvas

Canvas entwickelt Verputzroboter für den Innenausbau. Die Systeme arbeiten mit Universal Robots Cobots und tragen den Gipsputz gleichmäßig auf.

  • Funktionen: automatisches Auftragen, Glätten und Finishen von Putz
  • Besonderheit: gleichmäßige Oberflächenqualität, reduzierter Materialverbrauch
  • Preis: auf Anfrage

Brokk

Brokk stellt ferngesteuerte Abbruchroboter her, die in beengten oder gefährlichen Umgebungen arbeiten.

  • Funktionen: Abbruch, Abriss, Rückbau in Gebäuden, Tunneln und Industrieanlagen
  • Größen: Von 700 kg bis zu 12 Tonnen Gewicht
  • Besonderheit: elektrischer Antrieb, geringe Emissionen, für Innenräume geeignet
  • Preis: ab ca. 50.000 Euro für kleine Modelle, auch Miete möglich

Einsatzbereiche von Robotern auf der Baustelle

Baustellenroboter kommen in nahezu allen Bauphasen zum Einsatz. Die Bandbreite reicht vom Rohbau über die Innenausstattung bis hin zur Vermessung oder zur Logistik. Je nach Aufgabe und Umgebung eignen sich unterschiedliche Systeme.

cottage_black_24dp.svg

Rohbau & Hochbau

Im Rohbau übernehmen Roboter immer mehr die schweren körperlichen Arbeiten. Maurerroboter wie der Hadrian X setzen zum Beispiel vollautomatisch Mauersteine nach CAD-Plänen. 3D-Beton-Drucker erstellen dagegen komplette Wandstrukturen Schicht für Schicht. Schweißroboter verbinden Stahlkonstruktionen präzise und ermüdungsfrei. Typische Aufgaben sind beispielsweise:

  • Gießen und Verdichten von Beton
  • Verlegen von Mauersteinen und Ziegeln
  • Schweißen von Stahlträgern und Bewehrungen
  • Setzen von Ankern und Befestigungen
construction_black_24dp.svg

Ausbau & Innenarbeiten

Beim Innenausbau zeigen Roboter ihre Stärken vor allem bei den repetitiven Präzisionsarbeiten. Bohrroboter können tausende Löcher für Kabeltrassen und Installationen erstellen, wohingegen Verputzroboter Gipsputz gleichmäßig auf große Flächen auftragen. Dann gibt es zum Beispiel noch Fliesenlegeroboter, Fliesen nach digitalem Verlegeplan positionieren. Für Elektriker, Heizungsinstallateure und Trockenbauer sind vor allem die Bohrroboter interessant, da sie Überkopfarbeiten übernehmen und damit die Mitarbeiter entlasten können.

search_black_24dp.svg

Vermessung & Planung

Roboter revolutionieren auch die Baustellendokumentation. Mobile Laufroboter wie Spot von Boston Dynamics scannen hierfür Baustellen mit Laserscannern und erstellen genaue 3D-Punktwolken. Diese dienen dann als Grundlage für BIM-Modelle (Building Information Modeling). Damit ist ein Soll-Ist-Abgleich zwischen Planung und tatsächlichem Baufortschritt möglich. Außerdem können Drohnen die Dokumentation aus der Luft ergänzen und auch schwer zugängliche Bereiche erfassen.

time_to_leave_black_24dp.svg

Logistik & Transport

Weiter geht es mit den autonomen Transportsystemen, die die Baustellenlogistik optimieren können. Sie transportieren Materialien vom Lager zum Einsatzort, versorgen Arbeitsstationen mit Nachschub und entsorgen auch noch den Bauschutt. Besonders in großen Gebäuden oder Tunneln reduzieren sie die Laufwege der Handwerker massiv. Die Integration mit digitalen Lagersystemen ermöglicht zudem eine automatische Nachbestellung von Verbrauchsmaterialien.

Tipp: Automatisierte Abläufe statt manueller Baustellenkoordination mit der STREIT Handwerkersoftware

Auf Baustellen mit zunehmendem Robotereinsatz steigen auch die Anforderungen an Planung und Abstimmung – manuelle Prozesse führen hier schnell zu Fehlern und Verzögerungen. Mit der Software von STREIT lassen sich Arbeitsabläufe digital abbilden und automatisieren. So werden Informationen zentral gesteuert, Aufgaben klar verteilt und Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine effizient organisiert.

Mehr zur Handwerkersoftware

Exoskelette im Handwerk

Exoskelette sind tragbare Stützstrukturen, die den menschlichen Körper bei körperlich anstrengenden Arbeiten entlasten. Sie unterstützen die Arme, Beine oder den Rücken, indem sie die Belastung von Muskeln und Gelenken reduzieren. Gerade im Handwerk sind derartige Systeme immer wichtiger, da sie Berufskrankheiten vorbeugen können und die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter längerfristig erhalten.

Insbesondere vor dem Hintergrund oft intensiver Arbeitszeiten im Handwerk leisten Exoskelette einen wichtigen Beitrag, um körperliche Überlastung zu reduzieren und die Gesundheit der Mitarbeitenden nachhaltig zu schützen.

Typische Anwendungsfälle:

  • Überkopfarbeiten: Arm-Exoskelette stützen die Arme bei längerem Arbeiten über Kopf. Praktisch ist das vor allem beim Verputzen, Streichen oder Installieren von Deckenleuchten. Sie reduzieren ganz allgemein die Ermüdung der Schultermuskulatur.
  • Heben und Tragen: Rücken-Exoskelette entlasten dagegen beim Heben schwerer Lasten wie Steinpaketen, Werkzeugkoffern oder Bauteile. Durch sie verteilt sich das Gewicht auf Hüfte und Beine, was wiederum die Wirbelsäule schont.
  • Längeres Stehen: Mit Sitz-Exoskeletten sind Pausen ohne Sitzgelegenheit möglich. Gerade bei dauerhaft stehenden Tätigkeiten entlasten sie die Beine.
  • Präzisionsarbeiten: Stabilisierende Exoskelette können Ermüdungszittern reduzieren. Bei besonders filigranen Arbeiten lässt sich dadurch auch die Präzision verbessern.

Je nach Typ und Hersteller liegen die Preise für Exoskelette zwischen 3.000 und 10.000 Euro. Anbieter wie Ottobock, Ekso Bionics oder German Bionic haben Modelle speziell für handwerkliche Anwendungen entwickelt. Die Anschaffung könnte sich bereits nach wenigen Monaten amortisieren, wenn dadurch Ausfallzeiten durch Rückenleiden oder Schulterprobleme reduziert werden.

Weitere Robotertypen

Neben den genannten Systemen gibt es noch weitere Robotertypen für spezialisierte Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schweißroboter für Stahlkonstruktionen
  • Lackierroboter für Oberflächen
  • Pick-and-Place-Roboter für die Vorfertigung
  • Schneid- und Fräsroboter für Materialbearbeitung
  • Inspektionsdrohnen für Dächer und Fassaden

Vorteile und Nachteile der Roboter

Obwohl die moderne Robotertechnologie unbestreitbar viele Vorteile mit sich bringt, gibt es auch immer einige Nachteile, die zu beachten sind.

VorteileNachteile
Höhere Produktivität: Bohrroboter schaffen über 100 Bohrungen am TagHohe Anschaffungskosten: Investitionen liegen oft im sechsstelligen Bereich
Präzision: exakte Arbeit nach digitalem Plan, geringe FehlerquoteSchulungsbedarf: Mitarbeiter müssen im Umgang geschult werden
Arbeitsschutz: Übernahme schwerer Überkopfarbeiten, weniger BelastungInfrastruktur: digitale Planung (BIM, CAD) erforderlich
Fachkräftemangel: Engpass an Arbeitskräften wird ausgeglichenFlexibilität: nicht für alle Aufgaben und Umgebungen geeignet
Dokumentation: automatische Protokollierung aller ArbeitsschritteWartung: regelmäßige Wartung und Updates notwendig

Praxisbeispiele: So unterstützen Roboter im Handwerksalltag

Kommen wir jetzt zur ganz alltäglichen Frage. Wie kann ein Roboter im Handwerk wirklich helfen? Und zwar nicht nur theoretisch. Nachfolgend stellen wir zwei ganz praktische Beispiele vor.

Tipp: Entlastung auf der Baustelle auch durch Handwerker-Apps

Roboter übernehmen körperlich schwere Aufgaben – und Ihre Mitarbeiter den Rest? Noch effizienter wird die Baustelle, wenn auch Organisation, Zeiterfassung und Dokumentation durch Digitalisierung entlastet wird. Mit den STREIT Handwerker-Apps bringen Sie wichtige Prozesse direkt aufs Smartphone oder Tablet – für weniger Papier, weniger Rückfragen und mehr Zeit fürs Wesentliche. Entdecken Sie jetzt, wie mobile Helfer Ihren Baustellenalltag erleichtern.

Mehr zu den Handwerker Apps

Fliesenleger-Roboter

Ein Fliesenlegerbetrieb setzt einen Verlegeroboter für großflächige Böden in Gewerbeobjekten ein. Der Roboter positioniert die Fliesen anhand des digitalen Verlegeplans und trägt auch den Kleber gleichmäßig auf. Der Handwerker übernimmt die Einrichtung, kontrolliert das Ergebnis und führt am Ende auch noch ein paar Anpassungsarbeiten an Rändern und Ecken aus. Dadurch arbeiten Betriebe noch qualitativer und die Arbeit wird beschleunigt. Gerade bei großen Flächen kann die Produktivität dadurch enorm gesteigert werden.

Dachdecker-Roboter

Im Dachdeckerhandwerk unterstützen zum Beispiel Drohnen und Inspektionsroboter die Arbeit. Sie dokumentieren den Dachzustand, erstellen Aufmaße für Dachdecker oder identifizieren Schäden. Der Dachdecker erhält von den Drohnen genaue Daten, die er für die Planung und auch für das gezielte Bestellen von Material verwenden kann. Außerdem können Transportroboter eingesetzt werden, die Ziegel und Material aufs Dach befördern. So wird die körperliche Belastung für Dachdecker geringer. Gefährliche Kletterarbeiten zur Schadensaufnahme entfallen, ebenso gelingt das Erstellen von Angeboten noch schneller.

Kosten für einen Roboter im Handwerk

Die Investitionskosten für Baustellenroboter variieren teilweise erheblich. Einfache Cobots beginnen bei etwa 25.000 Euro, wohingegen professionelle Bohrroboter auch mal 50.000 bis 150.000 Euro kosten können. Komplexe Systeme wie der Hadrian X erreichen sogar mehrere Millionen Euro. Hinzu kommen die Kosten für Schulungen, Wartung und die Integration in bestehende Arbeitsabläufe.

Gerade mit Blick auf die Liquidität im Handwerk ist diese hohe Anfangsinvestition für viele Betriebe eine zentrale Herausforderung. Nicht jeder Betrieb kann solche Summen kurzfristig aus eigenen Mitteln stemmen, ohne die finanzielle Flexibilität im Tagesgeschäft zu gefährden. In diesem Zusammenhang spielen auch Kredite im Handwerk eine wichtige Rolle: Finanzierungen können helfen, die Anschaffungskosten zu verteilen und Investitionen in moderne Technologien überhaupt erst zu ermöglichen.

Viele Anbieter setzen daher auch auf Miet- oder Servicemodelle. Dabei stellt der Anbieter den Roboter inklusive Bediener für ein Projekt bereit. Das Investitionsrisiko fällt dadurch erst mal geringer aus. Vor allem für kleine Betriebe ist das profitabel, da sie sich die Technologie auch ohne große Anschaffung leisten können. Ein Bohrroboter-Service für ein Bürogebäude kann zum Beispiel zwischen 5.000 und 15.000 Euro kosten. Es hängt aber immer auch vom Umfang und der Dauer des Einsatzes ab.

Wie wirtschaftlich der Einsatz eines Roboters ist, liegt auch an der Einsatzhäufigkeit. Wenn ein Betrieb den Bohrroboter täglich einsetzt, könnte sich die Anschaffung schon nach ein bis zwei Jahren amortisieren. Es kommt hier ganz darauf an, wie viel höher die Produktivität ausfällt, inwiefern Ausfallzeiten reduziert werden und wie viel Personal möglicherweise eingespart werden kann.

Tipp: Fördermöglichkeiten zur Digitalisierung im Handwerk

Bund und Länder fördern kleine und mittlere Betriebe häufig bei der Investition in Digitalisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen. Erfahren Sie mehr zu den Förderungen für die Digitalisierung im Handwerk.

Fördermöglichkeiten zur Digitalisierung im Handwerk

Das sollten Sie vor dem Einsatz eines Roboters bedenken – Checkliste

Eine Anschaffung in dieser Kostenhöhe sollte gut überlegt sein. Wir bieten Ihnen daher eine Checkliste, die Sie noch einmal in Ruhe durchgehen sollten:

edit_black_24dp.svg

Wirtschaftlichkeit realistisch bewerten

Rechnen Sie mit allen Kosten. Dazu gehören nicht nur die Anschaffung eines Roboters, sondern auch die Schulung, Wartung und Integration. Vergleichen Sie diese Gesamtkosten anschließend mit den erwarteten Einsparungen.

build_black_24dp.svg

Einsatzbereich klar definieren

Für welche Aufgaben soll der Roboter eingesetzt werden? Gibt es hierfür auch ausreichend wiederkehrende Aufträge?

settings_black_24dp.svg

Integration in den Arbeitsalltag prüfen

Wie fügt sich der Roboter in Ihre bestehenden Prozesse ein? Welche Anpassungen sind nötig?

Schild.svg

Sicherheits- und Vorschriftenlage klären

Welche Arbeitsschutzvorschriften gelten in Ihrem Bereich? Welche Zertifizierungen sind erforderlich?

leaderboard_black_24dp.svg

Langfristige Entwicklung im Blick behalten

Wie entwickelt sich die Technologie? Gibt es später Upgrade-Möglichkeiten und einen langfristigen Support?

school_black_24dp.svg

Schulungsbedarf einplanen

Wer bedient den Roboter und wie gelingt es, Mitarbeiter im Handwerk zu finden, die die nötigen Kompetenzen mitbringen? Welche Schulungen sind hierfür erforderlich? Planen Sie auch dafür ausreichend Zeit und Budget ein.

Wie sich die Zusammenarbeit auf der Baustelle verändert

Die gewohnte Arbeitsweise auf Baustellen kann durch die Einführung von Robotern ziemlich drastisch verändert werden. Handwerker werden künftig zu Roboter-Operatoren, die Maschinen einrichten, überwachen und bei Bedarf auch selbst eingreifen. Die Automatisierung von Routineaufgaben verschafft den Mitarbeitern allerdings Zeit für anspruchsvolle Tätigkeiten, die ein menschliches Urteilsvermögen erfordern. Gleichzeitig kann sie dazu beitragen, Ruhezeiten für Handwerker besser einzuhalten, da körperlich belastende und zeitintensive Aufgaben reduziert werden.

Zudem steigt durch die Roboter aber auch die Sicherheit. Roboter übernehmen vor allem gefährliche Arbeiten in Höhe, unter schweren Lasten oder in beengten Räumen. Die Mensch-Roboter-Kollaboration erfordert jedoch neue Kompetenzen von den Handwerkern. Sie bietet im Umkehrschluss aber neue Karrierechancen für technisch interessierte Mitarbeiter. Es ist für Handwerksbetriebe und ihre Mitarbeiter wichtig, sich möglichst früh mit der Technologie vertraut zu machen. Nur so kann man sich als gefragte Fachkraft für die Baustelle der Zukunft positionieren.

FAQs zu Roboter auf der Baustelle

Im Folgenden haben wir für Sie noch einmal die wichtigsten Fakten für Roboter auf der Baustelle zusammengefasst:

Welche Roboter werden heute schon auf Baustellen eingesetzt?

Es gibt bereits einige Roboter, die schon im praktischen Einsatz sind. Dazu zählen der Bohrroboter von Hilti und fischer, der Inspektionsroboter Spot von Boston Dynamics, 3D-Betondrucker und Abbruchroboter von Brokk. In Tunnelprojekten wie dem Koralmtunnel setzen Unternehmen außerdem Baubot-Systeme mit KUKA-Robotern ein. Immer öfter werden in der Praxis auch schon Verputzroboter oder Schweißroboter eingesetzt.

Gibt es Förderungen für Robotik im Handwerk?

Programme wie go-digital, Digital Jetzt, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und KfW-Kredite unterstützen Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung. Die Förderquoten liegen je nach Programm bei bis zu 50 Prozent. Auch regionale Förderprogramme der Bundesländer machen eine Finanzierung einfacher.

Wie aufwendig ist die Einführung im Betrieb?

Der Aufwand hängt immer vom System ab. Mietmodelle mit Operator erfordern eher wenig Einarbeitung. Hier stellt der Anbieter auch den geschulten Bediener bereit. Bei Kauf müssen Mitarbeiter dagegen erst geschult und Prozesse angepasst werden. Je nach Betrieb muss auch erst die digitale Planung mit CAD oder BIM ausgebaut werden. Die Einführungsphase sollte aber nicht länger als ein paar Wochen oder Monate dauern.

Welche Roboter lohnen sich für Handwerksbetriebe?

Für kleinere Betriebe eignen sich für den Anfang vor allem Mietmodelle und Dienstleistungen. Bohrroboter rentieren sich dagegen bei vielen gleichartigen Projekten wie Bürogebäuden oder Produktionshallen. Inspektionsdrohnen sind schon für wenige tausend Euro erhältlich und amortisieren sich daher schnell durch die eingesparte Zeit bei der Schadensaufnahme.

Ersetzen Roboter den Handwerker?

Roboter übernehmen repetitive und körperlich belastende Aufgaben. Sie ersetzen aber nicht das Fachwissen und die Problemlösungskompetenz von Handwerkern. Die Technologie verschiebt die Tätigkeiten lediglich. Vom reinen Ausführen geht es hin zum Planen, Überwachen und dem Sichern der Qualität. Bei vielen Spezialarbeiten sind handwerkliches Geschick und kreative Lösungen immer noch unverzichtbar.

Fazit

Viele Branchen verändern sich durch die Digitalisierung und auch durch Roboter. Das Handwerk ist davon nicht ausgenommen. Hier können Roboter vor allem auf körperlicher Ebene helfen. Sie entlasten Mitarbeiter bei anstrengenden Aufgaben, steigern die Produktivität und können auch bis zu einem gewissen Grad den Fachkräftemangel kompensieren.

Schon heute wird die Technologie auf vielen Baustellen eingesetzt. Gerade in den nächsten Jahren werden Roboter im Handwerk immer wichtiger, sodass Handwerksbetriebe schon jetzt schrittweise einsteigen sollten. Miet- und Servicemodelle ermöglichen erste Erfahrungen ohne hohe Investitionen. Förderprogramme senken außerdem die Einstiegshürden zusätzlich. Wenn Sie jetzt schon die Weichen stellen, sichern Sie sich in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil. Roboter übernehmen künftig die Schwerstarbeit, während Handwerker steuern und kontrollieren.

mail-icon pfeil-icon