Aufgrund der zahlreichen Branchen im Handwerk, Größen und Sitze der Betriebe, aber auch gesellschaftliche Trends und Entwicklungen lassen sich Kosten für Handwerkerstunden pauschal nicht beziffern. Dennoch können Sie sich als grobem Richtwert an aktuell durchschnittlich zwischen 45 und 70 Euro orientieren.
Sie kennen es sicher aus leidvoller Erfahrung: Viele Kunden üben bereits an diesen Summen Kritik. Dass es sich dabei nicht um Ihren Verdienst handelt, ist vielen nicht bewusst. Denn sie wissen oft nicht, wie sich die Kosten für Handwerker zusammensetzen. Genau diese Zusammensetzung schauen wir uns im Folgenden im Detail an. Dabei starten wir mit dem Stundenverrechnungssatz.
Stundenverrechnungssatz ermitteln
Mit dem Stundenverrechnungssatz ermitteln Sie Ihre Personaleinsatzkosten pro Stunde. Neben den Löhnen beinhalten sie anteilige Betriebskosten sowie diverse Zuschläge. Für Ihre Auftragsberechnung müssen Sie Ihre veranschlagte Zeit in Stunden mit Ihrem Stundenverrechnungssatz multiplizieren. Zu dieser Summe addieren sich Ihre Ausgaben für verwendete Materialien und weiterer Beschaffungskosten.
Vorgehensweise
Sie haben es geahnt: Die Kalkulation des Stundenverrechnungssatzes teilt sich in zwei Bereiche.
1. Unter Ihre verrechnungsfähigen Betriebskosten fallen alle Aufwendungen und finanziellen Belastungen, die durch Ihren Stundensatz gedeckt werden müssen. Sie ergeben Ihre jährlichen Gesamtkosten:
- Personal-, Personalnebenkosten
- Miet-, Mietnebenkosten
- Büro-, Verwaltungskosten
- Reisen, Marketing, Werbung
- Kfz-Gebühren, Reparaturen, Wartungen
- Abschreibungen, Versicherungen, Abgaben, Steuern
- Sonstiges, wie Forderungsverluste oder Ihr kalkulatorischer Unternehmerlohn
2. Die fakturierungsfähigen Arbeitsstunden ergeben Ihre jährlichen produktiven Nettoarbeitstage. Hierfür müssen Sie von der Gesamtzahl aller Arbeitstage Wochenenden, Feier- und Urlaubstage sowie Ausfalltage durch Krankheit oder Weiterbildungen abziehen.
Der Stundenverrechnungssatz stellt nun Ihre errechneten Gesamtkosten den produktiven jährlichen Arbeitsstunden gegenüber:
Jährliche Gesamtkosten des Unternehmens ./. jährlich abrechenbare Stundenanzahl aller Mitarbeiter
Zu diesem Stundenverrechnungssatz können Sie abhängig vom jeweiligen Auftrag individuelle Zuschläge für Gewinn, Wagnis und Risiken, Rabatt, Skonti oder Boni berechnen. Orientieren Sie sich hierbei an der Höhe branchenüblicher Aufschläge. Am Ende ergibt sich das folgende Bild:
- netto Stundenverrechnungssatz
- + Zuschlag
- für Gewinn, Risiken, Wagnis (in %)
- für Skonti, Rabatte oder Boni (in %)
- = netto Verrechnungsstundensatz
- + 19 % Umsatzsteuer
- = brutto Stundenverrechnungssatz
Hinweis: Die meisten Handwerker rechnen heute aus Fairnessgründen gegenüber ihren Kunden nicht mehr in vollen, sondern Viertelstunden ab. In diesem Fall müssen Sie Ihren kalkulierten Stundenverrechnungssatz durch Vier teilen.